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XV. Die mechanischen Disziplinen in der neuesten Zeit.
die geognostisch bedeutsamen Gesteinsarten, einfache und direkt zumAuge sprechende Methoden. Man schneidet aus dem zu prüseudeuKrystalle eine dünne Platte heraus, überzieht dieselbe mit einerdünnen Decke von Wachs oder Paraffin und führt nun einemzentral gelegeuen Punkte durch einen Gummischlauch erwärmteLuft zu. Dann schmilzt der Überzug, und die Schmelzfigurgiebt darüber Aufschluß, wie sich die einzelnen Richtungen hin-sichtlich der Wärmeleituugsfühigkeit verhalten. Die betreffendenFlächen stimmen nach V. v. Lang (geb. 1838), von geringfügigerenAbweichungen abgesehen, mit den Wellenflächen der Krystall-vptik überein.
Die Flüssigkeiten sind schlechte Wärmeleiter, allein trotzdemkann sich die Erwärmung solcher Teile der flüssigen Masse, welchevon der Wärmequelle ziemlich weit entfernt sind, unerwartet raschvollziehen. Neben Strahlung und Leitung hat man eben, wiebesonders P. O. E. Volkmann (geb. 1856) betont, auch dieKonvektion zu berücksichtigen; geschieht die Wärmezuführung vonunten her, so entsteht eiue geschlossene Zirknlationsbewegung,indem die erwärmten und spezifisch leichter gewordenen Teilchenin die Höhe steigen, während an die von ihnen verlassene Stellekältere Teilchen von allen Seiten herandrängen, die hieraus gleich-falls der nach oben führenden Tendenz unterliegen. Die Warm-wasserheizung, deren Ausbildung mit dem Namen des amerika-nischen Mechanikers I. Perkins (1766—1849) verknüpft ist,macht von diesem Prinzipe umfassendsten Gebrauch. Exakt be-stimmten die innere Leitnngssähigkeit zu Beginn der fünfzigerJahre Franz und G. H. Wiedemann (1826—1899), indem siedie Thermoelektrizität, als auslosende Ursache in Kraft treten ließen :aber die flüssigen Körper spielten einstweilen noch eine sehr be-scheidene Rolle. Was die Leitungsfähigkeit der wichtigsten Flüssig-keit, des Wassers, anlangt, so beträgt dieselbe nur 0,09; sie istalso nahezn 1000 mal geringer, als diejenige des Silbers, welchesin dieser Beziehung obenan steht. Über das Leitungsvermögen derFlüssigkeiteu für Elektrizität wurden zumeist Untersuchungen gleich-zeitig mit solchen, die die Wärme betrafen, angestellt; A. Paalzow(geb. 1323), F. Guthrie (1833—1886), K. G. Lundauist (geb.