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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Wärmeleitmig der Gase.

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1341), N. A. Winkelmann (geb. 1848) zeigten sich in diesemSinne thätig. H. F. Weber (geb. 1843) schlug vor, als die maß-gebende Größe das von ihm eingeführte Temperaturleitnngs-vermögen einzuführen, das man erhält, wenn man die Leitungs-fähigkeit durch die spezifische Wärme der Volumeneinheit dividiert.Es fand sich, daß diese neue Größe fast als eine Konstante er-scheint, die nur bis zu einem gewissen Grade durch die Viskosität,die größere und geringere Zähigkeit, bedingt ist. Es verstehtsich von selber, daß die Fähigkeit, Wärme oder Temperatur zuleiten, auch von der Temperatur abhängig ist. Nur das Queck-silber nimmt eine Ausnahmestellung ein, und es ist demnach,wie es ja auch bei der so verschiedenen molekularen Zusammen-setzung erwartet werden durfte, die erwähnte Befähigung, dieWürmeschwingung von einer Partikel zur anderen zu übertragen,von dem metallischen oder nicht metallischen Charakter des Fluidumsabhängig. Nach Weber müßte der inneren Strahlung einerhöhtes Gewicht beigemessen werden, und damit wäre zugleicherwiesen, daß zwischen den beiden Leitungsfähigkeiten für Wärmeund Elektrizität ein sehr naher, innerlicher Verband obwalte.

Schlechte Wärmeleiter sind anch die Gase. Formelnfür dieselben leiteten Maxwell (1860) und Clausius (1862)her, und zwar kamen sie darin überein, daß das Wärmeleitungs-vermögen sowohl dem Koeffizienten der inneren Reibung, als auchder spezifischen Wärme bei konstantem Volumen proportional seinmuß. Aus den Experimenten von Magnus ergab sich wenigstenssür Wasserstoff ein positives Resultat, und auch für andere Gase,vorab für gewöhnliche Lnft, erhielt F. G. Narr (18441893)annehmbare Zahlwerte, obwohl er sich allerdings des von Be-denken nicht ganz freien, auf Newton zurückgehenden Verfahrensbedient hatte, aus der Abkühlungszeit eines erhitzten Gases diefragliche Größe zu berechnen. Die Grundidee der Methode, mitdem ja auch Dulong und Petit operiert hatten, ist aber eineberechtigte, und I. Stefan (18351893) war 1872 in der Lage,die Methode so vervollkommnen zu können, daß er selbst, sowieA. A. E. Kundt (18391894) und E. G. Warburg (geb. 1846)im Jahre 1875, zu befriedigenden Zahlwerten gelangten. Boltz-