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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XV. Die mechanischen Disziplinen in der neuesten Zeit.

mann machte zwar die Bemerkung, daß die mechanische Würme-theorie in ihrer überlieferten Form nicht ausreiche, um das Problemder Mvleknlarübertragnng endgiltig lösen zu können, allein durcheine Rückwärtsrechnnng, die sich auf Stefans numerische Resultatestützte, vermochte er nachträglich die Berechtigung der Maxwell-Clausiusschen Theorie zu belegen. Eine sehr große Anzahl vonVersuchsreihen zeigt, wieviel Fleiß aufgewandt wurde, um dieWärmeleitung der atmosphärischen Luft genau zu ermitteln. Zudenen, deren bereits Erwähnung geschah, traten die Arbeiten vonL. Graetz (geb. 1856), M.Kutta und Egou Müller (1896) hinzu.Die .neueste Bestimmung (1896) lieferte den Wert 0,000056.Diese Zahl will also folgendes besagen: Wenn die Endflächeneines Luftprismas von gegebener Höhe einen gewissen Temperatur-unterschied ausweisen, so ist die Wärmemenge, welche in der Zeit-einheit vom wärmeren zum kälteren Ende übergeht, gegeben dnrcheine Größe, die man erhält, wenn man in das Produkt Temperatur-differenz mal 0,000056 mit der Höhe hineindividiert. Die Fähig-keit, Wärme zu leiten, ist übrigens nicht, wie man ursprünglichangenommen hatte, von der Temperatur unabhängig, so wenig wiedie spezifische Wärme, von welcher ersteres Vermögen selbst wiederabhängt. Zum mindesten für mehratomige Gase war E. Wiede -mann (geb. 1852) ein Anwachsen der spezifischen Wärme mit derTemperatur zu konstatieren in der Lage. Es ist dies neuerdings auchanderweit, so von Sohncke, bestätigt worden, und wenn man alsovon der Wärmemenge spricht, deren es bedarf, um die Gewichts-einheit eines Stoffes, ein Kilogramm, nm einen Grad des huudert-teiligen Thermometers zu erhöhen, fo muß zugleich auch angegebengeben, welches die Temperatur des Körpers in dem Augenblickewar, da die Wärmezufuhr begann.- Diejenige Abteilung der Wärme-lehre, welche sich speziell mit den hier in Betracht kommenden Auf-gaben befaßt, die Ka lorimetrie, faßt noch immer auf den groß-artigen Experimentaluntersuchnngen von Regnault, die sich überdie drei Lustren 1847 bis 1862 erstrecken. Die spezifische Wärmedes Wassers, auf welches ja als normativen Stoff die Wärme-kapazitäten bezogen zu werden Pflegen, hat neuerdings (1884)A. W. Veiten sehr genan ermittelt.