Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
585
Einzelbild herunterladen
 

Flnoreszenz und Phosphoreszenz.

585

daher der Name in die Augen fiel, allgemach aber sich alssehr verbreitet herausstellte. Fluorcalcium zeigt also bei Tages-beleuchtung einen blauen, das gelbe Uranglas zeigt einen grüueu,grünes, allsgelöstes Chlorophyll zeigt einen blutroten Schimmer.Eine erste, geschlossene Theorie des Fluoreszenzphänomenes stelltezu Anfang der fünfziger Jahre Stotes aus, die aber nach undnach derjenigen weichen mußte, sür welche Lommel von 1862 bisan sein Lebensende in zahlreichen Veröffentlichungen eingetreten ist.Was Eisenlohr 1854 nur unvollkommen erhärtet hatte, be-stätigte und bewies er durch Versuche ebenso wie durch die analy-tische Deutung der bezüglichen Wellenerscheinungen: Die Fluo-reszenz ist das optische Seitenstück dessen, was man inder Aknstik als Kombinationstoll kennt. Jeder fluores-zierende Körper wird am kräftigsten von derjenigen Strahlen-gattung zum Selbstleuchten angeregt, der gegenüber er die kräf-tigste Absorption bethätigt. So wird, wie die spektroskopische Zer-legung ergiebt, das von einem solchen Körper ansgesandte Lichtzusammengesetzt, selbst wenn einfaches Licht den Leucht-zustaud bewirkte. Auch sonst noch gab und giebt die Lichtver-schluckung Anlaß zu wichtigen Beobachtungen nnd Schlußfolge-rungen. Der Mineraloge Haidinger entdeckte, eine BemerkungI. Biots weiter versvlgeud, im Jahre 1845 den Dichroismusund Pleochroismus der Krystalle; wie manche Krystallblättchenvon den beiden aus der Doppelbrechung entspriugeuden Strahlennur den einen den außerordentlichen durchlassen, dagegenden anderen den ordentlichen absorbieren, ebenso giebt esauch eine answähleude Lichtretention in allen übrigen Krystallen.Endlich ist ungefähr im gleichen Jahre ein Erscheinnngskomplexsehr in den Vordergrund getreten, mit dem man sich bereits zuGalileis Zeiten eifrig beschäftigt, und über den im folgendenJahrhundert Canton lehrreiche Experimente angestellt hatte. Wirmeinen die Phosphoreszenz, die Fähigkeit mancher Substanzen,ohne oder durch ein gewisses Zuthun im Dunkel nachzuleuchten. Einsundamentales Werk lieferte hierüber (18111820) Pl. Heinrich(17581825). Rieß, Draper und A.E.Becquerel (geb. 1820)haben sodann die Hanptgesetze des Phosphoreszierens ermittelt, und