Fortschritte der Reibungselektrizität.
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Indem wir nun zur Elektrizitätslehre fortschreiten, er-innern wir zuvörderst daran, daß zwischen Magnetismus undElektrizität kein eigentlicher Gegensatz mehr als bestehend anerkanntwerden kann. Die Ampereschen Elementarströmchen und dieFaraday - Maxwellsche Theorie der Kraftlinien beseitigengleicherweise alle Unterschiede zwischen den beiden Hauptbestand-teilen, in welche nach älterer Auffassung die „Lehre von den un-wägbaren Flüssigkeiten" zerfiel. Ziemlich unabhängig von denneueren Auffassungen und in der Hauptsache ziemlich auf demfrüheren Standpunkte geblieben ist nur die Lehre von derReibungselektrizität, die wir an die Spitze stellen wollen.Inhaltlich freilich ist auch dieses elementarste Kapitel ein ganzanderes, nngemein reichhaltigeres geworden, als es dies unter deralleinigen Herrschaft der alten Scheibenelektrisiermaschine gewesen war.
Einen vorzüglichen Kanon dieses Abschnittes der Elektrizitäts-lehre, eines der besten Handbücher über ein physikalisches Spezial-kavitel, das wir überhaupt besitzen, lieferte zn Anfang unseresZeitraumes P. Th. Rieß (1804—1883), und dieses Werk („DieLehre von der Reibungselektrizität", Berlin 1>853) hatte auch nocheine Nachfolge, indem der Autor 1867 und 1879 zwei Bändefeiner gesammelten Abhandlungen, wie sie in langem und frucht-barem Forschen über Fragen des gleichen Untersuchungsgebietesentstanden waren, erscheinen ließ. Es giebt kaum einen Punktinnerhalb desselben, das trotz seiner Beschränkung doch immerhinnoch weit genng ist, zu dessen Klärung er nicht beigetragen hätte;er untersuchte die Bedingungen sür die Kondensation, das Wesendes Rückstandes, die Wirkung des Elektrophors, die Modalitätender Funkenbildung und schnf vor allem einen Apparat, mittelstdessen, was den älteren Elektrometern unerreichbar war, eine scharfeMessung elektrischer Kraftwirkungen bezweckt wurde. Daselektrische Luftthermometer stammt iu feiner ursprünglichenKonstruktion, die aber nach und nach manche Vervollkommnung erfuhr,aus dem Jahre 1841 (Abschnitt VIII); die am sichersten erkennbareund am leichtesten quantitativer Feststellung zugängliche Aktion deselektrischen Funkens oder Eutladuugsschlages, seine Wärmewirkung,wird für die Maßbestimmung ausgenützt. Das neue Instrument