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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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598 XVI. Licht, Magnetismus u. Elektrizität in der 2. Hälfte d. Jahrhunderts.

legte eine Probe seiner Leistungsfähigkeit sehr bald dadurch ab, daßsein Erfinder die von P. O. C. Vorßelman de Heer (1809 bis1841) und K.W. Knochenhauer (18051875) gefundenen Ge-setze betreffs der im Schließungsdrahte entwickelten Wärme verifi-zieren konnte. Der zuletzt genannte Physiker gehört zu denjenigen,die für die Reibungselektrizität die lebhafteste Teilnahme an denTag legten; seine Theorie der Leidener Flasche (1869) bezeichnetjedenfalls den Höhepunkt derjenigen Untersuchungen, die, wenn derAusdruck erlaubt ist, mit den Hilfsmitteln der älteren Schnle dieelektrischen Probleme behandelten. Neben ihm sind uuter denDeutschen besonders R. H. A. Kohlrausch (18091858) undF. F. G. Dellmaun (18051870) zu nennen. Ersterer, dermit dem Sinuselektrometer (1853) der Gesamtlehre von derElektrizität ein wertvolles Geschenk gemacht hat, verbesserte auchden Kondensator und erklärte die Eigenart des elektrischenRückstandes; von Dellmann hat man eine wichtige Studieüber den Elektrizitätsverlust, und er war jedenfalls auch einerder ersten von Denen, die die Eigenschaft der Luft als Dielektrikumrichtig erfaßten. Das Wesen der Flaschen entladung machteB. W. Feddersen (geb. 1832), den wir auch häufig in gelehrtenStreit mit Knochenhauer verwickelt finden, zum Gegenständeeingehender Prüfung. Schon Wheatstone hatte es versucht, dieDauer des elektrischen Funkens und nächstdem die Fortpflanzungs-geschwindigkeit der Elektrizität überhaupt zu ermitteln. Er photo-graphierte 1858 das bandförmig in die Länge gezogene Funkeitbildund that mittelst desselben dar, daß der Entladnngsakt einenoszillatorischen Charakter an sich trägt. Das Prinzip derWheatstone-Feddersensehen Methode nahm 1876 WernerSiemens in seiner Weise wieder auf und fand, daß sich dieElektrizität in Eisendraht mit einer Sekundengeschwindigkeit von240 000 krn fortpflanze eine wahrscheinlich etwas zu kleine Zahl,wie sich später herausstellen wird. Wieder einem anderen Bereicheder elementaren Elektrizitütslehre gehören die seit 1777 bekanntenLichtenbergschen Figuren an, mit denen sich auch die neuereZeit wieder mehr beschäftigte. So machte v. Obermayer 1890von denselben eine gelungene Anwendung auf die Aufgabe, das