Neue elektrische Apparate.
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Vorzeichen der dem sogenannten St. Elms-Fener anhaftendenElektrizität zu bestimmen, und E. Lommel erzeugte 1876 elektrischeStaubsiguren im Raume, die sich mithin als das dreidimensio-nale Gegenstück jener merkwürdigen Gebilde auffassen ließen.Genauere Messungen über die als Dielektrizitätskonstante be-zeichnete Größe wurden immer hünsiger vorgenommen; Boltzmanuthat dies zuerst 1873 für Isolatoren, dehnte seine Bestimmungenbald darauf auch auf Gase aus und erkannte, daß die krystallini-schen Körper ihre sonst bekannte Eigenschaft, anisotrop zu sein,auch in diesem Betreffe nicht verleugneten. Die seit Canton (1759)bekannt gewordene Pyro elektrizität, die sich darin äußert, daßkrystallinische Säulenkörper beim Erwärmen entgegengesetzte elek-trische Ladungen an ihren Enden erhalten, war und blieb diewissenschaftliche Domäne Hantels, der hiermit im Jahre 1341begann und noch 1883 eine lange Reihe von Beobachtungen überdas thermoelektrische Verhalten der verschiedensten Krystalle —Pyromorphit, Strontianit, Titanit u. s. w. — bekannt machte.Auch ein Druck in der Richtung der elektrischen Achse bewirkt beimanchen Krystallen, daß sie elektrisch werden; bei amorphen Körpernzeigt sich die Erscheinung auch, wiewohl minder deutlich. DieElektrizitätsmessnng gewann, von anderen Apparaten abgesehen,eine gewichtige Stütze in W. Thomsons (Lord Kelvins) Qua-drautenelektrometer von 1867, dem sich gleichzeitig, im Inter-esse absoluter Bestimmungen, ein Wageelektrometer zur Seitestellte.
Nach außen jedoch machte wohl das größte Aufsehen der Um-stand, daß es gelang, der historisch ehrwürdigen Elektrisiermaschine,welche nach alter Art durch direkte Reibung die Erregung derelektrischen Kraft bewirkte, einen ganz unverhältnismäßig rascherund kräftiger arbeitenden Apparat zu substituieren. Die Jnfluenz-elektrisiermaschine benützt die altbekannte Erfahrung, daß auchbloße Annäherung eines elektrisch geladenen Körpers einenzweiten, noch unelektrischen iu den polaren Zustand versetzt. DieErfindung wurde, wie wir dies schon so oft in diesem Werke zukonstatieren hatten, so gut wie gleichzeitig und unabhängig vonToepler und W. B. Holtz (geb. 1836) gemacht und zwar im