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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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604 XVI. Licht, Magnetismus u. Elektrizität in der 2. Hälfte d. Jahrhunderts.

und 1885, durch furchtbare, künstlich erregte Explosionen aus demWege geschafft; als Sprengstoff diente Nitroglycerin, als Elek-trizitätsquelle eine Niesenbatterie von 920 Elementen, welche imnämlichen Augenblicke, da die Hand eines Kindes durch Drückenauf den verhängnisvollen Knopf die Stromschließung bewirkte,3680 Patronen entzündete. Für den entsprechenden Vorlesungs-versuch ist Plantes Vorrichtung, die natürlich von einem Sekundär-strome Gebrauch macht, sehr empfehlenswert. F. Wächter hat inneuerer Zeit (Die Anwendung der Elektrizität für militärischeZwecke", Wien 1883) die Maßnahmen beschrieben, die sowohl imMinenkriege als anch sonst im Kriegswesen in vorderster Reihesteht die rasche Nnbrauchbarmachung vou Eisenbahnen eine ein-schneidende Bedeutung gewonnen haben.

Anderweite Anwendungen des Galvanismus können nur einesummarische Erwähnung finden. Über die elektrische Beleuch-tung hatten wir bereits Veranlassung uns auszusprechen; dieElektrotherapie soll im nächsten Abschnitte gestreift werden.Die Anfänge der galvanischen Reproduktion lernten wir srüherkennen, und es fand sich da, daß gleich der erste Erfinder derGalvanoplastik, M. H. v. Jacobi, es zu achtbaren Leistungen indieser Art von Technik gebracht hat. Der ältere Becauerel,Smee u. a. führteu einzelne Verbesserungen ein, nnd R. Boettger(18061881) zeigte in den vierziger Jahren, daß und wie manKupferstiche in dieser Weise beliebig vervielfältigen kann. Dadurchwurde die Galvanotypie vorbereitet, die Herstellung der Kupfer-cliches oder Galvanos, die von den nach der Vorlage gestochenenOriginalholzstücken abgeformt sind, und für die jetzt allenthalbenin der Buchdruckerkunst eingeführten Notationspressen werden dieHochdruckplatten auf dem Wege der Galvanoglyphie gewonnen.Es giebt auch eine galvanische Atzung, mit etwas uneigentlicherBezeichnung weil der Name auch einen medizinischen Sinnhat Galvanokaustik genannt. Um 1842 erfand der Mine-ralog? W.F.X.v.Kobell (18031882) seine Galvanographie,darin bestehend, daß eine Platte mit erhabener, dick aufgetragenerFarbe bemalt und dann galvanoplastisch kopiert wurde. Endlichist noch der Galvanostegie zu erwähnen, eines von dem Fran-