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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XVII. Mvderne Grenzgebiete der Physik.

daß, von einer allgemeinen Einleitung über Atomistik abgesehen,die Gesetze der Diffusion und Osmose, welche Fick selbst (1855)auf die physiologischen Grundprobleme als einer der ersten ange-wendet hat, an vorderster Stelle stehen. In der That ist das Ver-halten der tierischen Gewebe gegen Flüssigkeiten von der allerhöchstenWichtigkeit für unser physisches Leben, allein die in Betrachtkommenden Thatsachen sind fast durchweg aus der allgemeinenPhysik bekannt. Weiterhin werden die Kinematik der Gelenk-bewegungen und die Muskelstatik diskutiert, für welch letzteredie ans dem achten Abschnitte erinnerlichen Untersuchungen derGebrüder Weber über die Modalitäten des Gehens heran-gezogen werden. Der Gedanke, Poinsots Drehnngstheorie aufdie Bewegung zweier in der Gelenkkapsel sich bewegender Teilevon Rotationsflächen zu übertragen, war das geistige EigentumFicks. In späterer Zeit hat diese Gruppe vou Studien einengewaltigen Anstoß empfangen dnrch eine wichtige EntdeckungG. H. v. Meyers (181S1892). Mit seinem Kollegen Cul-mann (Abschnitt XV) in steter Fühlung stehend, prüfte derZüricher Anatom die Art nnd Weise, wie im Skelette die einzelnenStücke ineinander gefügt sind, und sah sich so in den Stand ge-setzt, in einer Schrift, die freilich für den Durchschnittsmedizinereine etwas zu große Vertrautheit mit den exakten Hilfswissenschaftenvoraussetzt (Statik und Mechanik des menschlichen Knochengerüstes",Leipzig 1873), den Nachweis zu sichren, daß dieselbeu Koustruktioueu,die in der graphischen Statik die Gleichgewichtsbedingnngen irgendeines Systemes starrer Körper zu fixieren gestatten, auch für dieArt und Weise Giltigkeit behaupten, wie die Knochen unseresKörpers gebaut siud. In allerneuester Zeit ist von W. Rouxin Halle a. S. nnd I. Wolff in Berlin die Thatsache, daß sichin jedem Knochen das Doppelsystem der Kurven gleichen Druckesund gleichen Zuges nachweisen läßt, in noch ausgedehnterem Maßefür Auatomie, Chirurgie und Entwicklungslehre fruchtbar gemachtworden. Größtmögliche Stabilität bei einem Maximum freierBewegung, bei einem Minimum von Zwangsläufigkeit, istder Hülle des Menschen, und auch des Wirbeltieres, gewährleistet.Fick geht zur strömenden und oszillatorischen Flüssigkeits -