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XVII. Moderne Grenzgebiete der Physik.
Fläche ermittelt, auf welcher alle einfach gesehenen Punkte liegen:eine gründliche Betrachtung der einschlägigen mathematischen Ver-hältnisse hat denselben anch H. Hankel (Abschnitt III) gewidmet.Es ist so ein ganz unabhängiger Wissenszweig von namhafterAusdehnung und hoher innerer Unabhängigkeit entsprossen, dessenWachstum erst dann recht ins Auge fällt, wenn man sich er-innert, daß erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts F. Plater,Chr. Scheiner und I. Kepler das Wesen des Sehprozessesrichtiger aufzufassen begonnen hatten. Helmholtz nud A. Cramerhaben im Jahre 1851 zuerst einiges Licht über den so wichtigenund in seinen Störungen sür viele Augenkrankheiten die Ursacheabgebenden Vorgang der Akkomodation verbreitet und dar-gethan, daß sich beim gesunden Menschen die Krümmungsradiender vorderen und Hinteren Linsenvbcrfläche verändern, so daßeine genaue Einstellung auf das entfernte Blickziel erfolgen kann,während der Angenleidende diese Wölbung nicht zu regulierenbefähigt ist. Die sorgfältigsten Untersuchungen über die viel-gestaltigen Bewegungserscheinungen, die bei der Akkomodation zu-sammenwirken, lieferte von 1845 an Brücke, der anch die vonGoethe für so wichtig erachteten Farben trüber Mittel ur-sächlich erklärte. Auch die Irradiation hat in Plateau undH. Welcker (geb. 1822) Vertreter sehr abweichender Ansichtengefunden, indem der belgische Physiker wesentlich für eine Physio-logische, der deutsche Anthropolog? hingegen für eine rein physika-lische Deutung des Phänomenes plaidierte, welches sich in schein-barer Vergrößerung Heller Gegenstände auf dunklemHintergrunde offenbart; bekannt ist z. B. das scheinbare Über-greifen der Mondessichel.
Mit dem Stndium der entoptischen, d. h. auf das Inneredes Auges selbst bezüglichen Erscheinungen wurde ein erfreulicherAnfang gemacht durch I. E. v. Purkinje (1787—1869), der aufder Hornhaut die seinen Namen tragende Aderfigur entdeckte.Mit Hilfe derselben ließ sich, wie der Würzburger PhysiologeH. Müller zeigen konnte, rechnerisch ein Schluß auf die Lageder eigentlich lichtempfindlichen Schicht in der Netzhaut ziehen.Die Farbenlehre, insoweit sie der physiologischen Optik angehört,