676 XVIII. Die Chemie in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.
so daß die Namen Dumas, Laureut, Gerhardt sich doch deueuder bekanntesten Chemiker des östlichen Nachbarlandes zur Seitestellten. Man kann die Mitte des Jahrhunderts als eiue Sturm-und Drangperiode für unsere Wissenschaft bezeichnen, aus welcheein Zeitalter der Abklärung und der vielfältigsten Triumphe intheoretischer wie in praktischer Beziehung folgte.
Vor allem war, wie wir uus mehrfach zu überzeugen Gelegen-heit hatten, noch keine allseitige Übereinstimmung darüber erzielt,was man uuter Molekül und was man unter Atom zu verstehenhabe. Daß zwischen diese» beiden Begriffen eine Scheidung vor-genommen werden müsse, war eine den französischen Chemikerneigentümliche Anschauung, die sich nur laugsam Anerkennung auchin weiteren Kreisen verschaffte. Doch auch diejenigen Physiker, welcheauf dem Grenzgebiete gegen die Chemie hin thätig waren, drangenauf die Notwendigkeit, eine Spaltung des Moleküls in Atome zu-zulassen; in dieser Lage waren Favre und Silbermann (1846),Andrews uud Tait (1850) uud vor allem Clausius (1857),der aus seinen thermodynamischen Betrachtungen den Schluß zog,daß die Hypothese von Avogadro (Abschnitt VIII) für physikalischeMoleküle, die aber darum uoch uicht die absolut kleinsten KörPer-bestandteile zu sein brauchten, zu Recht bestehe. Sir B. C. Brodie (1817—1880) kam 18S0 durch Erwägungen, die allerdings einenetwas aprioristischen Charakter an sich trugen, zu der Hypothese,daß sowohl das Molekül vou Wasserstoff, wie auch dasjenige vonSauerstoff einer weiteren Zerlegung fähig sein müsse. Wie sichWurtz, Williamson, A. Hofmaun, Frankland , Kolbe uuterdem rein chemischen Gesichtspunkte zu diesen Fragen stellten, hatAbschnitt IX bereits klarzulegen gesucht. Es war wesentlich Wil-liamson, erwähntermaßen ein Schüler v. Liebigs , dem einerationelle Definition des chemischen Moleküls verdankt wird;G. C. B. Chancel (geb. 1822), der, nebenbei bemerkt, auch deuNutzen der Gasheizuug iu chemischen Laboratorien zuerst dar-gethan hat, unterstützte vollkommen selbständig die BestrebungenWilliamsons in der grundlegenden Abhandlung „Mlrsrillcation",welche 1851 die,Lc>inxte8 renclu8° der Pariser Akademie aus seinerFeder brachten. Auch andere Arbeiten, aus die hier uicht näher