Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
677
Einzelbild herunterladen
 

Umbildung der Typentheone.

677

eingegangen werden kann, trugen dazn bei, den neuen AnsichtenFreunde zu werben, und insbesondere sah sich Gerhardt dazu an-geregt, in eine Revision derjenigen Theorien einzutreten, welche erselbst, wie wir erfuhren, etwas über ein Jahrzehnt vorher betreffsder Zusammensetzung der Körper aufgestellt hatte.

Für die neuere Typeutheorie des Straßburger Forschers, wiesie iu systematischer Form das von ihm, zusammen mit Chancel,bearbeitete WerkUrsels ä'anal^ss eliimic^ Hug-Iitativs" (Paris 1855) dem Publikum vorlegte, war bestimmend die Absicht, alleVerbindungen, vorab die organische», übersichtlich zu ordnen, in-dem dieselben sämtlich mit vier Typen, nämlich mit Wasser,Ammoniak, Wasserstoff und Chlorwasserstoff, in Parallele gestelltwnrden. Diejenigen, welche dein nämlichen Typus angehörten,wurden als Glieder einer Reihe aufgefaßt, wozu schon früher^1842) I. H. W. Schiel (geb. 1313) durch seine Studien überorganische Radikale und Homologie den Anstoß gegeben hatte.Den homologen Körpern treten bei Gerhardt auch iso- undheterologe zur Seite; die Glieder der drei auf diese Weise ge-bildeten Reihen stammen von den vier Typen ab, indem im Sinneder früher geschildertenllrsoris äss rösiäas" Substitutionen vonWasserstoffatomen zu stände kommen. So schien ein unitarischesSystem der organischen Körper entstanden zu seiu, dem freilichzunächst nur eine mehr syntaktische Bedeutung beiwohnte. DieKonstitntion des Stoffes in dem höheren Sinne, wie ihn Berzeliusangedeutet, zu ergründen, war Gerhardts Vorsatz nicht; er be-gnügte sich vielmehr damit,Spiegelbilder" der Umsetzungen, welchethatsächlich vor sich gehen, konstruiert zu haben, und leistete grund-sätzlich Verzicht auf tieferen Einblick in die eigentlich atomistischeStruktur. Die Typenlehre von Dumas hatte unter GerhardtsHänden mit der ältereu Radikaltheorie eine Verbindung eingegangen,nnd dasLMöMK rmitairs" gewährte den Chemikern die Mög-lichkeit, sich ans einem überaus verzweigten und noch wenig ge-ordneten Gebiete leichter zurechtzufinden. Einen höheren Wertjedoch als den eines finnreich ansgedachten Schematismuswar die große Mehrzahl der Fachleute auch dem neuen Gerhardt-scheu Lehrgebäude nicht beizumesseu gewillt.Die Nützlichkeit der