Klärung deS Wesens organischer Verbindungen. ggl
dem englischen Chemiker und seinem deutschen Freunde Kolbcwollte sich nnter diesen Umständen kaum noch ausrecht erhaltenlassen, weil, der letztere mit der ihn charakterisierenden Zähigkeitdas Berzeliussche System verteidigte, allein das Schwergewichtder Thatsachen konnte auch iu diesem Falle nicht umhin, sich geltendzu machen, und im Jahre 1857 vollzog Kolbe mittelst des inLiebigs Zeitschrist gedruckten Aufsatzes „Über die rationelle Zu-sammensetzung der fetteu und aromatischen Säuren" seinen Über-tritt in das bisher gegnerische Lager, worauf er dann auch wiederzusammen mit Frankland arbeiten konnte. Der fundamentale,zwar von Woehler antizipierte, aber selbst noch für den großenschwedischen Bahnbrecher zu kühne Satz wird setzt ausgesprochen:„Die organischen Körper sind durchweg Abkömmlingeanorganischer Verbindungen." Mit Bezugnahme auf Ent-deckungen, die Mitscherlich und I. A Wanklyn (geb. 1834) ge-macht hatten, werden die Kvhlenstvssverbindungen von der Kohlen-säure, die Schweselverbindungeu von der Schweselsäure abgeleitet.Bei alledem wird man in Kolbes Arbeiten, die ausnahmslosBereicherungen der Wissenschaft enthalten, das Streben nicht ver-kennen köuueu, vou der überkommenen Denkweise möglichst vielzu retteu, und mauche ueuere Theorie hatte sich deshalb seinesBeisalles nicht zu erfreueu. Der eminent sruchtbare Begriff derValenz insbesondere mußte ohue seine Unterstützung, ja in ge-wissem Sinne sogar uuter dem Einflüsse der Gegnerschaft desMeisters, den Weg machen, der ihn zu einer dominierenden Stellungemporführen sollte.
In der Chemie läßt sich, teilweise sogar mit größerer Sicherheit, als dies in anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen ge-schehen kann, sehr deutlich das Herauswachse» einer neuen Er-kenntnis aus früher schon erkannten Wahrheiten verfolgen. Sohat auch die Theorie der Valenz ihre Wurzel im Dalton schenLehrsatze von den multiplen Proportionen. Hat man zwei ver-schiedene Grundstoffe a nnd Ii, so kann a sich mit einer wechselndenAnzahl von Atomen des Elementes k zu einem ueuen Körper ver-binden. Der Ausdruck Sättigungskapazität, welcher diese variierendeEigenschaft des nämlichen Elementes, je nachdem es zu audereu