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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
682
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ßgZ XVIII. Die Chemie in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

Substanzen in Kontakt tritt, kennzeichnen sollte, geht auf Wil-liam son zurück, aber eine wirkliche Gesetzmäßigkeit war hierin sowenig, wie in dem gleichfalls so verschiedenen Verhalten der Sub-stitutionen, zu ermitteln gewesen. Nun gelangte aber Frankland,dessen einschlägige Arbeiten im Jahre 18S3 an einer vorläufigenEtappe augekommen waren, zu der bald darauf auch von Kolbeselbständig gewonnenen Einsicht, daß die gepaarten Verbindungenvon anorganischeu Körpern abstammten, indem nur die Sauerstoff-äquivaleute durch Kohleustoffradikale ersetzt seien. Doch hieltensich die Verhältniszahlen, gemäß deren sich solche Verbindungenvollzogen, in engen Grenzen, und es erschien als möglich, sür jedesElement die Valenz, d. h. die Zahlen auszumitteln, welche dasZusammentreten desselben mit Atomen anderer Elemente zn einerneuen Verbindung regelten. Diese Anfsassnng brach sich nicht ebenschnell Bahn, obwohl auch andere Gelehrte gelegentlich ganz naheverwandte Gedanken auSsprachen, und namentlich dachte man nochnicht daran, numerisch die Valenz desjenigen Elementes auszudrückeu,welches als das im eigentlichen Sinne organische zu gelten hat,nämlich des Kohlenstosses.

Den Fortschritt, welchen die Wissenschaft inachen mußte, sobaldihr dieser gewaltige Fund zufiel, bahuteu in ihrer Art an Experi-mentaluntersuchungen von H.L. Buff (18281872), Wurtz undM. P. E. Berthelot (Abschnitt IX), welch letzterer als der hoch-geachtete Senior der französischen Chemiker noch unter uns weiltund die Welt durch die Fülle seiner sich stetig folgenden Unter-suchungen iu Staunen setzt. Wie man dies so hänfig wahrnimmt,war man von der Ziehung der entscheidenden Schlußfolgerungstellenweise gar nicht mehr weit entfernt, aber es bedürfte docheines überragenden Geistes, um deu lauge vorbereiteten Schrittauch wirklich zu thun. DieAnnalen der Chemie und Pharmazie"brachten im Jahre 1358 einen Beitrag von Kekule , der sich untereinem viel versprechenden Titel einführte:Über die Konstitutionund die Metamorphosen der chemischen Verbindungen und überdie chemische Natur des Kohlenstoffs." Der Verheißung entsprachder Inhalt, obwohl der Autor selbst ausdrücklich erklärte, er könneBetrachtungen dieser Art nur untergeordneten Wert" beilegen.