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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Strukturformeln,

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Darstellung findeil könne; zu jeder Verbindung gehört auchnur eine einzige Formel. Das Emporkommen der Struktur-theorie spricht sich rein äußerlich, auch dem Laienauge sofort ver-ständlich, in den zahlreichen graphischen Diagrammen aus, die vonnun an die chemischen Lehrbücher und Fachzeitschriften erfüllen.Unter Denjenigen, die zuerst einen umfassenden Gebranch von denneuen Methoden machten, ist an hervorragender Stelle anchR. A. K. E. Erleumeyer (geb. 1825) zu nennen, der schon 1860einen gewichtigen Anfang mit der Lösung der schwierigen Fragenach der Zusammensetzung der Eiweißkörper machte.

Die Behauptung Butlerows führte notgedrungen, falls siesich als zutreffend erwies, zu der Annahme, daß die Wertigkeiteines Grundstoffes konstaut sein müsse, daß sie nicht, wie Wurtzund A. Naqnet (geb. 1834), der spätere radikale Politiker, wollten,eine wechselnde sein könne. Für die erstere Alternative entschiedsich Kekule, der Valenz Atomizität in seiner damaligenNomenklatur und Atomgewicht für gleich stabile Größen er-klärte, jedoch vor dein Forum der Folgezeit nicht unbedingt Rechtbehalten hat, da eben auch das Beweismaterial, mit dem er zuoperieren hatte, den strengeren Anforderungen nicht genügen konnte.Die schroffe Art, wie er molekulare Verbindungen, die beiAnwendung großer Hitze in ihre Konstituenten zerfallen sollten,deu, von ihm so genannten atomistischen Verbindungen gegen-überstellte, die auch im gasförmigen Aggregatznftande als solchefortbestünden, entbehrte der überzeugenden Kraft und vermochte sichnicht zu behaupten, als Kolbe uud Ch. W. Blomstrand (geb.1826) ihre Angriffe gegen das Prinzip dieser Souderung richteten.Es hat nachgerade deu Anschein gewonnen, als treffe der Er-sahrnngssatz, dieses und jenes Element ist u-wertig, zwarinnerhalb eines weiten Bereiches zu, erleide aber, wenn die Voraus-setzungen eine ganz andere Gestalt annehmen, selber eine Modifi-kation. So ist z. B. nnter normalen Umständen sür Phosphorn ^ 3, aber der später gelungene Nachweis des Bestehens gewisserisomerer Verbindung dieses Elementes legt die Vermutung nahe,daß im gleichen Falle auch n ^ 5 werden könne. Auch die Er-gebnisse, die W. Losseu (geb.1838) bei seiner Prüfung auderweiter