686 XVIII. Die Chemie in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.
Jsomerien (1875—1877) erhielt, dürften im Sinne einer — aller-dings beschränkten — Variabilität der Wertigkeit zu deutensein. Es sind hier schon Fragen eröffnet, an deren exakte Er-örterung erst dann zn denken war, als sich, wie wir nun in Bäldesehen werden, die Möglichkeit einer geometrischen Umformung derüberlieferten chemischen Atomistik erkennen ließ.
Die Natur isomerer Verbindungen war iu Abschnitt IX skizziertworden, denn schon iu den zwanziger Jahren war, dank den Be-mühungen eines Liebig, Faraday und Berzelius, eiue Reiheisomerer, d. h. gleich zusammengesetzter nnd doch Physikalisch wiechemisch nicht übereinstimmender Körper nachgewiesen worden, uuddie theoretische Wichtigkeit des Gegenstandes hatte dafür gesorgt,daß er nicht mehr von der wissenschaftlichen Tagesordnung ver-schwand. Nunmehr war für die vielfach noch dunkle Lehre einneues Licht aufgegangen, und zwar dienten die Strukturformelneiuem doppelten Zwecke: Sie gaben Aufschluß über dasWeseu der Jsomeric und führten zn bewußter, ratio-neller Auffindung neuer Zusammensetzungen dieser Art,während vorher doch zumeist uur ein glücklicher Zufall bei derErweiterung der bestehenden Jsomerientasel mitgewirkt hatte. DieStrukturtheoretiker konnten daran nicht zweifeln, daß zwei Sub-stanzen, die man für chemisch identisch halten mnßte und diehinterher diese Vermutung Lügen straften, nur durch eine Um-lagernng der Atome voneinander unterschieden seien. Dahingehört die vou A. W. Hofmann , zusammen mit Olshansen,über die Isomeren des Cyanursäure-Athers angestellte Uutersuchung(1871). Vor allein aber fand der große Chemiker hier Gelegenheiteinzugreifen, mit dem wir im vorhergehenden Abschnitte als miteinem der führenden Geister der modernen Hygiene Bekanntschaftfchlossen. Durch seiue Entdeckung der Jsomerie von Wein- undTraubensäure, die im Jahre 1353 Persekt geworden war, sahsich L. Pasteur iu dieses Forschungsgebiet hineingezogen, demer nachgerade anch eine besondere Monographie gewidmet hat(„ksclisrokes sur lg. äiss^mstris moilZeularrö clss zzrocluits orZa-uiyueZ naturels", Paris 1861). Ihm folgend, muß man an-nehmen, daß die Anzahl der isomeren Bildungen, welche mit der