Weinsäure: aromatische Verbindungen.
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gleichen Menge chemischer Bausteine aufgebaut werden können, einebeliebig große sein kann, denn Pastenr selbst that das Dasein vonvier isomeren Weinsäuren dar, und ein strenger Beweis da-für, daß mit der Zahl 4 diese Zahl erschöpft sei, kauu uicht er-bracht werden. Allerdings reicht die Chemie allein nicht zu, umdiese verschiedenen Anordnungsformen sonst gleichförmig gebildeterAtomkomplexe zu isolieren, sondern es muß auch jcue physikalischeUntersuchuugsmethode hiuzugenommen werden, die ans der nn-gleichsinnigen Drehung der Polarisationsebene des Lichtes beruht.Angesichts des Umstandes, daß also auch die Physik Mittel zurErkennung der Jsomerien an die Hand giebt, war L. Carius(1829—1875) iu seinem guten Rechte, wenn er (1863) die phy-sikalische Jsomerie als einen selbständigen Erscheinungskomplexvon den übrigen Manifestatioussormeu dieses Phänoinenes ab-trennte.
Ehe wir dazu übergeheu können, den Answeg aufzuzeigen,der aus einem Wirrsale verwickelter Einzelheiten zu einer atomi-stischen Interpretation von überraschender Einfachheit führen sollte,haben wir vorerst noch den weiteren Schicksalen der Strukturthevrienachzugehen. Mit jener glücklichen Hand, die man so oft an ihmbewundern muß, entwarf Keknle im Jahre 1865 die Grundzügeeiner neuen Auffassung der aromatischen Verbindungen.Schon geraume Zeit kannte man das Benzol, eine Flüssigkeit,welche Faraday als Destillatiousprodukt fetter Ole dargestelltund ganz besonders aus dem Steiukohleutheer gewouueu hatte.Daß im Benzol je sechs Kohlenstoff- und Wasserstoffatome mit-einander verbunden sind, war ebenfalls bekannt, aber die Fragenach »der Art ihrer Vereinigung war noch offen. Keknle gingvon der offenen Kette aus, welche den bisherigen Vorstellungenznfolge in der Fettreihe dominieren sollte, und sprach dem Benzoleine geschlossene Kette zu, uud damit war auch der Au laßzu eiuer geometrischen Konstruktion des Atomverhaltens gefunden.Die Strukturformel ist gegeben durch ein regelmäßiges Sechseck,in desseu Ecken die alternierend ein- nnd zweiwertig gebundenenKohlenstoffatoine stehe», dereu jedes mit eiuem Atome Wasserstoffvereint zu denken ist. Dieses Sechseck bildet das Schema, mit