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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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688 XVIII. Die Chemie in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

dem manipuliert wird, um die verschiedenen Glieder der vor-erwähnten Reihe zn erhalten. Die aromatischen Verbindungenentsteheu, wenn die Wnsserstoffatome ihre sich symmetrisch zu-geordneten Plätze verlasse» und durch Atome eiues anderen Ele-mentes vertreten werden. Da sechs Ecken vorhanden sind, undda für jeden Eckpunkt eine zweifache Raumanordnung denkbar ist,so wird man von vornherein mutmaßen dürfen, daß, wennstatt des Wasserstoffs ein neues Element eintritt, zwölf isomereKörper herauskommen müssen, und daß dem wirklich so sei,ist auch 1378 vou F. K. Beilstein (geb. 1838) nnd A. Kur-batow (geb. 1851) außer Zweifel gesetzt worden. Kekules Sym^bolik, die eben doch, wie die Resultate bekundeten, dem wirklichenVerhalten der Natur treu angepaßt sein muß, hatte einen gewissenhodegetischen Nutzen für die Erforschung anderer Vorkommnisseund bis zu einem gewissen Grade vorbildlich für die Raumchemie,und es wurde grundsätzlich dieser Nutzen nicht geschmälert, wennA. Claus (18401899) die hexagonale Anordnung modifizierte,oder wenn A. Ladenburg (Theorie der aromatischen Ver-bindungen", Braunschweig 1876) die Doppelatome iu die Eckeneines geraden dreieckigen Prismas verlegte. Die scharfe Kritik,welche einer der hervorragendsten Vertreter der neueren Chemie,I. W. F. A. v.Baeyer (geb. 1835), an den Benzolformeln übte, zer-störte immerhin nicht die Möglichkeit einer geometrischen Anord-nung der Atome in einer solchen Verbindung, wie denn v.Baeyer selbst zuletzt seiner Übereinstimmung mit Claus Ausdruck verlieh.Auch viele Körper, mit denen uns erst spätere Forschung bekanntmachte, haben sich den für die aromatischen Verbindungen als giltigermittelten Gesetzen unterordnen lassen; dahin gehören das An-thracen, ein bei der Bereitung von Alizarin eine Rolle spielenderKohlenwasserstoff aus dem Steinkohtentheer, und das ebenfalls ausdiesem Körper gezogene Naphthalin, das als Schutzmittel vonKleidern gegen niedere Tiere weite Verbreitung gefunden hat unduuter dem Gesichtspunkte der Strukturtheorie dem Beuzol völligzur Seite gestellt werden muß. Die Arbeiten von R. Fittig (geb. 1835) und K. Graebe (geb. 1841), dem Entdecker des künstlichhergestellten Alizarins, haben nach dieser Seite hin die wert-