69t) XVIII. Die Chemie in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.
znvvr von sich reden gemacht haben, wieder auftauchen undauf ihren Wert für den geuauuten Endzweck geprüft werden.Wir besitzen ein ausgezeichnetes Werk über diesen Gegenstandin K. Laßwitz' (Abschnitt XI) „Geschichte der Atomistik" (1889),und in diesem begegnen wir den Vorläufern so ziemlich der meistenHypothesen, die zur Erklärung der oft rätselhaften Umlagerungender kleinsten Teile ersonnen wurden. Was für die zweite Hälfte des19. Jahrhuuderts die proteusartige Jso-, Meta- und Tautomerie,das war für die Physiker an der Grenze des 17. und 18. Jahr-hunderts die Kapillarität, und wie man sich, um letzterer gerechtwerden zu können, die Korpuskeln mit Haken, Zangen, Borsten n. dgl.allsgerüstet vorstellte, so sind auch in unseren Tagen derartigeVerseinernngen des atomistischen Grundgedankens, gegen die derErkenntnistheoretiker sich allerdings immer spröde Verhalten wird,nicht ausgeblieben. Allein gerade die zuletzt erwähuten Thatsachendrängten mehr und mehr dazn, ein Arbeitsfeld zu gewinnen,welches, ohne daß die so plausible Vorstellung von der ursprüng-lichen Identität aller materiellen Elementarbestandteile aufgegebenzn werden brauchte, eine freiere Bewegung gewährt, und einesolche ist nur im unendlichen Raume selber möglich. Wir er-slihreu, daß ganz vorübergehend schon Laureut ans die Nützlich-keit, eine gewisse räumliche Gruppierung der Atome anzunehmen,angespielt hatte, aber erst gegen die Mitte der siebziger Jahre wardder Grund gelegt zu jener nenen chemischen Spezialdisziplin,welche den Namen Stereochemie erhalten hat. I. A. le Bel(geb. 1847) muß unter den Begründern der Ranmchemie unbedingtgenannt werden, aber seine vollkommen autonome Darstellung hatsich nicht diejenige Publizität erringen können, die sofort der mehrsystematisch gehaltenen Schrist zu teil ward, iu welcher ein nochsehr junger holländischer Gelehrter seine sogleich das größte Auf-sehen erregenden Ideen entwickelte. Person und Sache sind fürdas letzte Nierteljahrhundert der Chemie so wichtig geworden, das;wir es nicht vermeiden können, beiden eine etwas ausgiebigereErörteruug zu widmen.
I. Hendrick van't Hoff aus Rotterdam (geb. 1852), einSchiller von Kekule und Wurtz, trat mit seiner Epoche machenden