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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Entwicklung der Stereochemie,

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Abhandlung (Vorstsl tot uitdrsiciinZ cler Ltruetuur - ^'ormulesin äs kuiiuts", Rotterdam 1874) noch in sehr jugendlichein Alterhervor. Zeit 1873 Professor an derfreien", d. h. nicht vomStaate unterhaltenen Universität Amsterdam , hat er die Wissen-schaft mit zahlreichen, namentlich synthetischen Arbeiten bereichert,die durchweg von dem gleichen Prinzipe getragen nnd befruchtetwaren, uud so fügte es sich, daß er vor ein paar Jahren nach Berlin berufen ward und nunmehr in Deutschland die von ihm erdachtenLehren zum Geineingute der Chemiker macheu kann. Indessenwaren dieselben vor seinem Übertritte nach Deutschland dort nichtetwa uuvertreteu. Schon bald nach dem Erscheinen der erweitertenfranzösischen Bearbeitung vor oben genanuteu Schrift (Rotterdam >'1875), vou welcher F. Herrmann (Braunschweig 1877) auch einedeutsche Ausgabe veranstaltete, hatte einer der hervorragendstendeutschen Chemiker, I. Wislicenus.(geb. 1835), die stereochemischeAuffassung zn der seinigen gemacht, was ihm um so leichter fallenmußte, als er bei früheren Studien über die Konstitution derMilchsäuren schou darauf verfallen war, daß hier die räumlicheAnordnung der Atome, innerhalb des Moleküles von Be-lang sein müsse. Ihm ist es zu danken, daß weitere Kreise in dieLage versetzt wurden, sich selbst ein Bild von den Vorteilen, javon der Naturnotwendigkeit der neuen Theorie gestalten zu können;er legte uämlich deren Grundzüge in einem überaus lichtvolleu Vor-trage nieder, den er 1887 vor dem Plenum der Wiesbadener Natur-forscherversamiulung hielt und durch Vorzeigung Passend gefärbterModelle in höchst glücklicher Weise veranschaulichte. Auch einLehrbuch des von van t'Hofs geschaffenen Wissenszweiges ist vonA. Hantzsch (geb. 1857) verfaßt worden (Breslau 1893), so daßman mehr und mehr hoffen darf, diese anch sür die theoretischePhysik sundamentale Regeneration der antiken Atomistik festen Fnßin der Natnrwissenschaft fassen zu sehen. .Für die geschichtlicheSeite der Disziplin wird man sich aus K. F. Auwers'(geb. 1863)Entwickluug der Stereochemie" (Heidelberg 1890) beziehen, und sogareinHandbuch der Stereochemie", redigiert von C. A. Bischoff und P. Walden , ist seit 1894 im Erscheinen begriffen; somit ist

dafür Sorge getragen, daß jeder Chemiker sich über die Beziehungen,

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