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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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706 XVIII. Die Chemie in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

unschätzbare Wohlthat für Kinder zartesten Alters, hinzugetreten ist,und ebenso diejenigen von K. B. H. Scheibler (geb. 1827) überdie Chemie des Rübenzuckers und über die Verwendung desStrontianits bei der Entzuckerung der Melasse, d. h. der Sirup-residueu. Von den Glykosen aus wurden dann auch die sür alleorganischen Körper wichtigen Glykoside unter neuen Gesichts-punkten studiert; H. Will (18121890), Liebigs Gießener Nach-folger, R. Piria (18151865), der Entdecker des Asparaginsund Populins, und wiederum E.Fischer hatten da besondereErfolge zu verzeichnen. V. Meyer und seine Schüler klärten dieverwickelten Substitutionsvorgänge auf, welche eintreten, wennHalogene mit Kohlenwasserstoffen verbunden werden, und ebenso sindaus dem Züricher und Heidelberger Laboratorium die viele Rätselaufgebenden Nitrole (von 1874 an) hervorgegangen. Säuren,die statt Sauerstoff deu ihn ersetzenden Schwefel aufweisen, warenzum öfteren untersucht worden, seitdem I. v. Liebig das von demAltonaer Apotheker H. Zeise (17931863) entdeckte Merkaptan auf seine wahre Natur geprüft und iu ihm Äthylsulshydraterkanut hatte; aber daß auch organische Säuren die gleiche Sub-stitution erfahren könnten, bewies erst Kekule, und im Anschlüssehieran hat sich ein neuer Stndienkreis gebildet, der die Mer-kaptale und Merkaptole umfaßt. Wie so viele dieser Forschungender Technik nnd Heilkunde großen Nutzen gebracht haben, so wardies auch hier der Fall, indem ans Merkaptan und Aceton dasals Schlafmittel oft wunderbare Wirkungen erzielende Snlfonalkomponiert ward. Von A. W. Hofmanns Arbeiten über Anilinmußte, weil deren Anfänge in die erste Jahrhunderthälfte fallen,Abschnitt IX berichten; ihre höchste Entfaltung nahmen dieselbenjedoch erst in späterer Zeit, und davon ausgehend entstand unterdes genaunten Chemikers Ägide in Bonn nnd Berlin eine selb-ständige Lehre von den organischen Stickstoffverbindungen.Damit iu Verbindung konnte sich auch die großartige Industrieder Azosarbstoffe ausbilden; Hofmann, Perkin, Erlenmeyer,E. und O. Fischer find die geistigen Väter dieser Fabrikation,welcher in Deutschland hauptsächlich die zwar nicht der Konkurrenzentbehrenden, aber trotzdem die Führung behauptenden Etablisse-