Azofarbstoffe und ähnliche Verbindungen.
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ments von Ludwigshafen („Badische Anilin- und Sodafabrik")und Höchst a. M. („Farbwerke") dienen. G. Th. A. O. Schnltz(geb. 18S1) und R. Nietzki (geb. 1847) haben durch ihre großenWerke über diesen Teil der technischen Chemie deren Systematikwesentlich gefordert. Überaus inhalt- und umfangreich hat sichauch das anfänglich unscheinbare Kapitel der Cyanverbindungenund der unter der Einwirkung salpetriger Säure auf gewisse SalzegebildetenDiazoverbindungen gestaltet; auch hier hatA. W.Hos-maun die Führung übernommen, und H. v. Pechmann, Bam-berger, E. Carstamjen (1836 — 1884) sind ihm gefolgt. Ausdem therapeutisch unentbehrlichen Chinin, dessen Stellung imweiten Bereiche der Alkaloide I. v. Liebig präzifiert hatte, nachdemes schon 1820 durch P. I. Pelletier (1788—1842) dem Arznei-schatze einverleibt worden war, hatte Gerhardt das Chinolinhergeleitet, und an dieser Substanz, wie auch an dem ihr naheverwandten Pyridin, erprobte sich eine neue Auffassung der Be-ziehungen, in welche der Stickstoff substituierend zu anderen Körperntritt. Die Arbeiten v. Baeyers haben anch die synthetischeDarstellung des Chinolins ermöglicht. Bei anderen Pflanzen-alkaloiden ist man bis zu dieser Krönung des Gebäudes nochnicht vorgedrungen, aber sobald man ihre Spaltungsproduktekennt, darf man auch die Hoffnung auf eine wenigstens partielleRekonstruktion hegen, so wie beispielsweise 1883 Ladenburg das Atropin , den von der Augenheilkunde mit suveräuer Sicher-heit zur Beeinflussung der Pupille verwerteten Extrakt der Toll-kirsche, aus Tropin und Tropasäure herstellte. Ganz vollständigsind nm die Mitte der achtziger Jahre Claisen und A. Lieben(geb. 1836) mit der Wiederzusammensetzung der Chelidon säurezustande gekommen.
Ein neues weites Arbeitsfeld eröffnete sich der organischenChemie durch die Bearbeitung von Pyrrol, Furfuran undThiopheu, Verbindungen, denen je ein aus vier Atomen Kohlen-stoff und vier Atomen Wasserstoff zusammengesetzter Kern gemein-sam ist, wozn dann jeweils Sauerstoff, Stickstoff oder die Jmid-gruppe hinzutrat. V. Meyer, I. Ciamician ; Limpricht,E. Fischer, Hantzsch u. a. haben die Kenntnis dieser Gebilde,
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