710 XVIII. Die Chemie in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.
der Leipziger Universität in die neuen Bahnen lenkte. Des fernerennennen wir E. Th. v. Wolff (1818 —1896), der sich durch seineAschenanalysen (1880) bekannt gemacht hat, J.W.J.Henneberg(182S—1890), der zusammen mit F. K. A. Stohmann (1832 bis1897) auch die Tierfütterung auf eine chemisch-rationelle Basiszu stellen bestrebt war, I. A. Lehmann (1825—1894), von dessenLaboratorium an der technischen Hochschule in Müucheu lebhafteAnregung ausging, und L. R. H. PH. Zoeller (1832—1885), derdie ueugegrüudete „Hochschule für Bodenkultur" in Wien in Florbrachte. Die Bedeutung der Kalisalze für die Landwirtschaft hat1880 M. H. Maercker (geb. 1842) ins richtige Licht gestellt, undA. E. Mayer (Abschnitt XVII) hat die Lehre von den Fermenten(Enzymologie) durch seine 1882 publizierte Schrift für diesenTeil der augewandten Chemie zu ihrem Rechte erhoben. Der Um-stand, daß die in neuen Aufschwung gekommene Kolonialpolitikdie Verhältnisse sremder, namentlich heißer Länder und die Be-dingungen des Urbarmachens eines von Hause aus unfruchtbarenLateritbodens zu studieren nötigte, schnf eine neue Theorie derTropenagrikultnr, für die H. Semler (Wismar 1886—1893)und F. Wohltmann (Leipzig 1892) thätig waren. Die Ngrikultur-chemie berührt sich hier aufs nächste mit der Agrikulturphysik(Abschnitt XVII), wie denn die Theorie der Humus bild ung,die Wollny, Ramann und verschiedene russische Vertreter derBodenkunde in den neunziger Jahren begründeten, sowohl nach derphysikalischen, wie auch nach der chemischen und geognostischen Seitegleichmäßig gravitiert.
Die lange gehegte Überzeugung, daß mit den Liebig sehenTheorien das endgiltig letzte Wort gesprochen und der Chemie imBereiche der Bodenbearbeitung die allein beherrschende Stellungzugeteilt werdeu müsse, ist immerhin in neuerer Zeit ins Schwankengeraten. Aus landwirtschaftlichen Kreisen regte sich Oppositiongegen die rein anorganische Erklärung der Bodenmüdigkeit,d. h. des Umstandes, daß ein viele Jahre lang mit der nämlichenFruchtart bestellter Acker nach und uach an Ertragsfähigkeit verliert.Der vielgereifte Ch. A. Müntz (Abschnitt XVII), chemischer Dirigentdes „Institut national aZronoini^us" in Paris , wies zuerst 1882