Phyto- und Zoochemie.
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auf die atmosphärische Nitrifikation und auf die nicht zuunterschätzende Mitwirkung von Mikroorganismen bei der Ge-steinszersetzuug und Bodenbildung hin. Selbstverständlich sind diesja znletzt auch chemische Prozesse, mit deren Aufhellung sich ver-schiedene deutsche Gelehrte, wie H. Hellriegel und H. Wilfarth(1888), beschäftigt haben, aber daß diese Prozesse bei der Beteiligungvon Lebewesen einen anderen Verlauf uehmen, als wenn ausschließlichdie chemischen Anziehungskräfte thätig sind, läßt sich nicht in Ab-rede stellen.
Für die Pflanz enchemie sind insbesondere die neuen Unter-suchungen über den grünen Farbstoff, das Chlorophyll, maß'gebend geworden, die man A. Faminzyn (geb. 1835), W. Pfeffer(geb. 1845), Th. W. Engelmann (geb. 1843), dem Entdecker destierischen Chlorophylls (1883), u. a. verdankt. Auch v. Baeyersschon erwähnte Aufschlüsse über das Formaldehyd kommen hier inFrage, wie nicht minder Mulders und Erlenmeyers Unter-suchungen über die Eiweißstoffe; mit ausdauerndem Eifer wurdedas Vorkommen von Eiweiß in den verschiedensten Pflanzenkörpern,znmal in den Samen, von K. H. L. Ritthausen (geb. 1826) nach-gewiesen („Eiweißkörper der Getreide, Hülsenfrüchte und Ölsamen",Bonn 1872). Den Gerbstoff und das stark adstringierende, ausverschiedenen vegetativen Produkten (Galläpfel) hergestellte Tanninwürdigt eine Monographie von G. Kraus (1889). Nahe verwandtmit der Phytochemie ist die Zoochemie, deren systematische Ent-wicklung wir früher in zwei Etappeu — Berzelius ; v. Liebigund v. Gorup-Besän ez — betrachtet haben, während sie in demuns jetzt angehenden Zeitabschnitte durch die 1871 und 1883 vonE. F. I. Hoppe-Seyler (1825 — 1895) herausgegebenen Werkeihre wissenschaftliche Formulierung gefunden hat. Auch da stehtnatürlich die Analyse und Synthese der Eiweißkörper, an der nebender eigentlichen Chemie auch die den therapeutischen Wert der Heil-mittel physikalisch-chemisch prüfende Pharmakologie Anteil nimmt,im Vordergrunds. Zwei uns aus dem vorigen Abschnitte bekanntePhysiologen, Brücke und Kühne, sind bekannte Vertreter dieserArbeitsrichtuug; ihneu reihen sich an H. F. E. Drechsel(geb. 1873),der in mehrfachem gelehrtem Kampfe gegen I. L. W. Thudichum