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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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712 XVIII. Die Chemie in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

(geb. 1829) die Chemie derGehirnstoffe begründete, F. M. E. Har-nack (geb. 1852), dessen Darstellung des Eieralbumins ihm einenNamen gemacht hat, und P. Schützen berger (18291897), vondem vorzugsweise die Abhandlungen über Albuminoide Er-wähnung fordern. Das ältere bedeutende Handbuch dieser Dis-ziplin, I. E. Schloßbergers (18191860)Versuch einer allge-meinen und vergleichenden Tierchemie" (Leipzig -Heidelberg 1857)hat jedoch noch immer keinen ganz analogen Nachfolger gefunden.Schloßberger war es auch, der das Fleisch chemisch bearbeitete,und hierin sind ihm unter dem chemischen Gesichtspunkte Streckerund I. I. Scherer (18141869), unter dem mehr Physiologischen Brücke und K. v. Voit (geb. 1831) gefolgt, welch letzterer jetztallgemein als die erste Autorität in allen die menschliche Er-nährung betreffenden Fragen betrachtet werden dürste. Die Fetteund Kohlehydrate, von denen bereits bei der Theorie der Süß-stoffe die Rede war, sowie die Stärke fallen gleichfalls in dasGebiet der Zoochemie; von R. H. Chittenden (geb. 1856) rührteine wertvolle Analyse des Magensaftes her. Über tierischenHarnstoff arbeiteten (1859) G. A. K. Staedeler (1821 1871)und der Kliniker F. Th. Frerichs (18191885), dessen berühmteMethoden zur Diagnostizierung und Heilung der Zuckerruhr gleich-falls ganz auf chemisch-physiologischem Boden fußen. Der Chemieder Galle ist v. Gorup-Besanez auch im gegenwärtigen Zeit-räume treu geblieben, uud Strecker, sowie L. R. Maly (1839bis 1891), der auch die Kuochenchemie Pflegte, wirkten auf demgleichen Felde. Das Blut ist nach zwei Richtungen hin chemischesUntersuchungsobjekt; auf der einen Seite handelt es sich um dieBestimmung der Zusammensetzung (Hämoglobin) und der Um-stände, unter denen es gerinnt, und auf der anderen um dieBlutgase. E. A. Schmidt (geb. 1845), Hoppe-Seyler undPreyer sind im ersteren, Magnus und K. F. W. Ludwig (1816bis 1895) im anderen Sinne als Vorkämpfer zu nennen. Ausder im eugeren Begriffe tierischen Chemie ist, immer unter derEinwirkung Liebig scher Ideen, eine generelle Theorie des orga-nischen Stoffwechsels geworden, die als solche aus dem Be-reiche dieses Buches hinausfällt. Nur die Thatsache, daß sich Fett