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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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720 XVIII. Die Chemie in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

dessen Hilse ließen sich die ungeheuren Hitzegrade dauernd erzielen,mit dcuen iu deu Gußstahlsabrikeu Essens F. Krupp,17871826; A.Krupp, 18121887, F.A.Krupp , geb. 1854,Vereiuiger der Krupp-Werke mit den Gruson - Werkengearbeitet werden muß, um den spröden Stoss in die zahllosenFormen zu bringen, in denen ihn der Mensch gebraucht. AusRoheisen Puddelstahl zu transformieren, hatte man früher schongelernt. Daran schloß sich 1878 ein neuer, tief eingreisender Fort-schritt, indem S. Thomas (1850-1885) ein Mittel ersann, diesür die meisten Eisenarten höchst wünschenswerte, nur schwedischemEisen gegenüber uicht unbedingt notwendige Entphosphoruugdurchzusühreu. Das geistvolle Verfahre«, bei dessen NutzbarmachungP. Gilerift als Chemiker mitwirkte, ist von um so größerer volks-wirtschastlicher Bedeutung, weil die wertlos erscheinenden Rückständeals Thomasschlacke ein überaus beliebtes Düngungsmittel ab-geben, wie A. Frank nnd P. Wagner zeigten. Die Metallurgiedes Nickels wurde durch die Bedürfnisse der Münzstätten undder Geschmcidefabrikanten aus eine höhere Stufe gehoben, nnd dasPlatin, welches ja das vielleicht wichtigste Metall sür die chemischeGroßiudustrie darstellt, machte H. I. Debray (18271888) zumObjekte einer hierfür bahnbrechenden Untersuchung, welche 1859von den ,^nrig,1ös" veröffentlicht wurde. Anch die Edelmetallehaben den Metallurgeu Arbeit genug gegeben? vornehmlich als essich darnm handelte, das Gold aus deu umhüllenden Erzen abzu-scheiden, wosür Mac Arthur uud Forrest, veraulaßt durch dievielversprechenden südafrikanischen Goldsuude, vervollkommneteMethoden angegeben haben.

Indem wir noch, als auf ein den modernen Stand dieses Teilesder Scheidekunst trefflich kennzeichnendes Werk, auf W. Borchers (geb. 1856)Elektrometallurgie" (1891), verweisen, beschließen nurunsere Überschau über die neuereu Fortschritte der technischenChemie. So aphoristisch dieselbe war, so wird sie doch von demunermeßlichen Reichtnme nnd von der staunenswerten Expansiv-trast dieser Grenzdisziplin zwischen reiner Chemie und eigentlicherTechnologie, die ja unseren Zielen entrückt ist, einen Begriff ver-mittelt haben, nnd mehr anzustreben, verbot sich von vornherein.