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Zur Abrundnng dieses Abschnittes übrigt uns noch ein Rückblickaus den Entwicklungsgang des chemischen Unterrichtes, der jaseit fünfzig Jahren den mächtigsten Ausschwung genommen hat.
Wissenschaftlich bedeutende und didaktisch brauchbare Werke,die sich dem augenblicklich gewonnenen Standpunkte der Erkenntnisanzupassen verstanden, hat es von je her genügend gegeben. Alsder in Rede stehende Zeitraum begauu, warm die klassischen Lehr-bücher eines Thenard, Regnault, Woehler, Mitscherlich imGebrauche, aber eine neue Zeit erheischte auch neue Hilfsmittel.An Regnault hielt sich Strecker, dessen „Knrzes Lehrbuch derChemie" (Braunschweig 18S1) zahlreiche Auflagen erlebt hat, in-dem zuletzt Wislicenus als Herausgeber in die Lücke trat.Th. Grahams .Llsrnöllts ok Lkermstry« wurden von Otto aufdeutschen Boden verpflanzt, so daß Graham-Ottos „Ausführ-liches Lehrbuch der Chemie" (Braunschweig , von 1868 an) zweiNationen chemisch bilden half. Speziell der anorganischen Chemieleisteten Jra Remsens (geb. 1846) „?rineip1ö8 ok ^lleorstieal(üiemistr^" (Philadelphia 1877) großen Vorschnb, und wenn diesesBlich durch eine deutsche Bearbeitung (Tübingen 1890) uns zu-gänglich ward, so ist darin nur ein Akt der Revanche für RemsensÜbertragung von Fittig-Woehlers „Grundriß der organischenChemie" (Leipzig 1877) zu erblicken. Angelsächsische und deutscheGeistesarbeit wirkte zusammen bei der Verdeutschung von Roscoes„^l-ekckiss cm Lüisrnistr^" (London 1877—1881), an dem Schor-lemmer (Abschnitt XII) mitarbeitete. Derselbe Chemiker übertrugRoscoes „I^esscms in elementar^ Lllsmistry" (London 1878), welchesgewiß eines der verbreiterten Bücher der Welt ist, weil es auch insGriechische, Japanische und Hiudustanische übersetzt wurde. Als geist-voller Niederschlag der von A.W. v. Hofmann zuerst in London gehaltenen Vorträge ist dessen „Einleitung in die moderne Chemie"(Braunschweig 1866, mit zahlreichen Neuauflagen) besonders zunennen. O. Dammers „Handbnch der anorganischen Chemie"(Stuttgart 1892) wendet sich au den Fachmann selbst; alsElementarbnch hiugegeu tonnte wohl keines den Vergleich ans-nehmcn mit der „Schnle der Chemie" des verdienten Agrikultur-chemikers I. A. Stoeckhardt (1809—1886), welche in Braun-
Günther, Anorganische Naturwiffenschafrcn. 46