Ausbildung der Laboratorien.
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Der höhere akademische Unterricht lag, wie Abschnitt IX anBeispielen belegte, vor 1850 noch vielfach im Argen, und nurFrankreich und England machten eine rühmliche Ausnahme, währendsogar Berzelius sich noch lange in recht engen Verhältnissen be-Hals und in Deutschland nur einzelne leuchtende Punkte aus demsonstigen Duukel emporragten. Der kalte Wasserstrahl, denI. v. Liebig 1840 mittelst einer streitbaren Denkschrift gegen dieZustände Österreichs und Preußens richtete, war der Sache ent-schieden förderlich, und in den fünfziger Jahren begannen sich inden meisten Universitätsstädten gut ausgestattete Arbeitsanstalten zuerheben, denen sich auch der Lehre geweihte Privatlaboratorienanschlössen. Dasjenige, welches Fresenius iu Wiesbaden durchlange Jahre leitete, erwarb sich einen wohlbegründeten Weltruf.A. W. v. Hofmann, A. v. Baeyer , Kolbe, Wislicenus u. a.sicherten ebenfalls ihren von Huuderteu wißbegieriger Adepten be-suchten Instituten einen hervorragenden Platz unter den Attributender deutschen Hochschulen. Und während unser Vaterland ehedemvon anderen Staaten zn lernen hatte, vermochte es nachgerade wiederbefruchtend auf jene zu wirken, wie denn ein Referat, welches 1869Wurtz über seine Beobachtnngen in Deutschland erstattete, den An-stoß zu einer durchgreifenden Umgestaltung des chemischen Unter-richtswesens in Frankreich gab.