Neunzehntes Kapitel.
Die Emanzipation der physikalischenChemie.
Der Berührungspunkte zwischen Physik und Chemie giebt esüberaus viele, so viele, daß in einer nicht allzuviel hinter unsliegenden Zeit von einem Hochschullehrer der einen dieser beidenDisziplinen mit allem Rechte verlangt werden konnte, er müsseauch zu Vorträgen und Demonstratiouen in der anderen die Be-fähigung besitzen. Über diese Periode ist die Wissenschaft jetzthinaus, und es schien sogar zeitweise, daß sich Physik nnd Chemiezwar nicht etwa gegnerisch, wohl aber neutral und gleichgiltiggegenüberstehen würden. Daß es ganz anders gekommen, daß sichauch da ein Grenzgebiet aufthat, das nach Inhalt und Methodikebenso sehr der einen wie der anderen Seite angehört, konnte manerst seit höchstens einem Vierteljahrhundert mit voller Klarheiterkennen, und deshalb durften wir von einer Emanzipation dervorher einigermaßen heimatlosen physikalischen Chemie mit gutemRechte sprechen. Ostwald erzählt uns in der begeisterten Rede,mit welcher er 1898 das für ihn bestimmte und dem neuestenStandpunkte der Forschung gemäß eingerichtete physikalisch-chemischeInstitut der Universität Leipzig einweihte, daß noch um die Mitteder achtziger Jahre erst ein Zukunftsprogramm für die junge, nachSelbständigkeit ringende Disziplin entworfen werden mußte, unddaß er selbst, vereint mit seinem Freunde Arrhenius , die hieraufabzielenden Pläne besprach, von denen nun schon ein guter Teil