Theorie der Gemische.
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1887 ein Verfahren zur Bestimmung der Reduktion auf dennormalen Siedepunkt (bei 760 mm Druck) angegeben, welchesdarauf beruht, daß die gleichen Druckstärken entsprechenden abso-luten Siedetemperaturen zweier chemisch verwandten Stoffe in einemkonstanten Verhältnis stehen. Die molekulare Berdampfungs -wärme ist dann ebenfalls sofort gegeben. Natürlich gewinnt diephysikalische Chemie anch den kritischen Erscheinungen, die wirsrüher keimen lernten, manch neuen Gesichtspunkt ab. Als eineÜberleitung zu jener innigen Vereinigung, wie sie sich in derchemischen Verbindung darstellt, ist ein physikalisches Ge-misch — uächstliegendes Beispiel die atmosphärische Luft — an-zusehen; über die optischen Eigenschaften der Gemische, die sichbesonders in eigenartigen Refraktionsphänomenen kundgebeu, hatLandolt viel Licht verbreitet, von dem auch (1864) eine sehr merk-würdige Untersuchung über die Beeinflussung der Lichtgeschwindigkeitdurch verschiedenartige atomistischeZusammensetzung des durchlaufenenMittels herrührt. Ein noch wenig bebautes Arbeitsfeld thut sichfür die Zukunft auf mit der Betrachtung der kritischen Pnnktevon Gemischen, wozu G.S.Schmidt (1891) den Grnnd gelegt hat.Im allgemeinen darf man annehmen, daß die aus den Elementender Arithmetik bekannte Mischungsrechnung auch bei verwickel-teren Fällen dazu dient, aus den numerischen Elementen derKonstituenten den analogen Wert des Gemisches zu berechnen,und es überträgt sich dies sogar auf die Vermischung zweier Sub-stanzen in fester (Krystall-)Form. Über die mehr oder wenigerintime Beziehung, in welche beim Mischen die Moleküle der ge-mischten Stoffe treten, werden noch mannigfache Studien anzu-stellen sein; bei deu von F. Guthrie (1833 — 1886) mit diesemNamen belegten eutektischen Mischungen ist jedenfalls die Durch-dringung schon eine fortgeschrittene geworden, so daß dieselben alseine Art Übergangsznstand zwischen mechanischem Gemische undchemischer Verbindung erscheinen. Auch den metallischen Legie-rungen weist Nernst eine Sonderstellung au.
Vor allem aber geben aus theoretischen und praktischen Gründenden Forschern diejenigen Mischungen zu thun, welche als — mehroder minder verdünnte — Lösungen von je her den Physiker und