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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Die Jonentheorie der Lustelektrizität.

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vermögen die Nebelschicht nicht zn durchgingen und bilden überdem Bodeu eine mächtige Lage, innerhalb deren bloß positiveElektrizität aufgespeichert ist. An der oberen Grenze dieser Bankist die Spannung gering, während sie nach unten zu hohe Werteannehmen kann. Man sieht, daß die Trennung der beiden Joncn-gattuugen dauu eine besonders entschiedene sein wird, wenn dieWolke sehr nahe an den Erdboden heranreicht, während bei größererHöhe derselben immer noch Spielraum genug für die aus derreinen Luft zur Erde absteigenden positiven Ionen gegeben ist.Endlich kommt, falls der Taupunkt erreicht ist, der Wasserdampfbei der Ausscheidung au, und es beginnt der Regenfall, von dem>es schon bekannt ist, daß er abwechselnd positiv und negativ ge-ladene Tropfen aufweist. Eben dieser Sachverhalt schien sehrschwierig zu erklären zu sein; nunmehr jedoch ist diese Klärungerbracht: Aus den unteren Schichten, welche den negativen Ionenvon der Erde her erreichbar sind, stammen die negativ geladenen,und aus dem oberen Teile kommen die positiv geladenen Wasser-kugeln, die durch und durch mit Ionen gefüllt sind. Es wirdkaum vermessen sein, zu glauben, daß mit der Zugrundelegungder Lehre von der Jonenwanderung sür manches Rätsel eines derverwinkeltsten Zweige der kosmischen Physik die Enthüllung gefundensein wird. Ballonfahrten scheinen für die neue Auffassungwertvolle Bestätigungen liefern zu wollen.

Inwieweit die Insolation die Bildung und Bewegung freierJouen fördert, bedarf noch weiterer Prüfung. Wie das gewöhn-liche Licht, so ist zweifellos auch jede der verschiedenen Strahlen-gattungen, die in Abschnitt XVI betrachtet werden mußten, daznbefähigt, erregend zn wirken. Des näheren erforscht hat man iudieser Hinsicht die Roentgenstrahlen, mit denen sich Ruther-ford (1898) und I. Zeleny (1899) beschäftigten. Letzterer verglichdie Geschwindigkeiten, mit welcher sich die von solchen Strahlenerzeugten Ionen gegen ihre jeweilige Empfangsstelle bewegen, mitder Geschwindigkeit eiues Gasstromes, die man zn messen inder Lage war, uud fand anch hier wesentlich die Regel von derschnelleren Fortbewegung der negativen Ionen bestätigt. Bei allen

dem Versuche unterworseuen Gasen war die Wahrnehmung die

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