740 XIX. Die Emanzipation der physikalischen Chemie.
gleiche; nur feuchte Kohlensäure schien, wennschon nur in sehrminimalem Betrage, eine Beschleunigung der positiven Ionen her-beizuführen. Die Mengeu von Elektrizität hingegen, welche dieIonen beider Vorzeichen mit sich führen, sind, soweit man bislangsieht, von der spezifischen Natnr des Gases unabhängig, in welchemsich der Bewegungsvorgang abspielt.
Das Studium des physikalischen Verhaltens der Salzlösungenist, wie wir erfuhren, nach verschiedenen Seiten folgenreich für dieWissenschaft geworden. Daß auch die Optik daran teil nimmt,hatten wir bei früherer Gelegenheit zu betonen, als wir OstwaldsBeobachtuugeu über die Absorptionsspektra von Salzen berührten.Indem ein Ion die Zahl seiner elektrischen Äquivalente wechselt,verändert es auch Farbe und Spektrum. Wollte man gemäßder von Ostwald gegebenen Definition als additive Eigenschafteines Stoffes die bezeichnen, welche unverändert in die Mischungeingeht, so daß also, wenn a, k, o die numerischen Beträge derKomponenten (n. uud d), sowie der Mischung (o) vorstellen, a-s-k — cgesetzt werden kann, so sind zwar Volumen und spezifische Wärmekeine Eigenschaften dieser Art; wohl aber kann dies von optischemund magnetischem Drehungsvermögen behauptet werden.Diese beiden Größen manifestieren sich additiv; ersteres hatte Lan-dolt schon 1873 wahrscheinlich gemacht, uud das letztere ließ sichaus den Experimenten G. Wiedemanns schließen, über welche er1889 Bericht erstattete. Der Jonentheorie liegt es ob, von diesenund anderen optischen Eigentümlichkeiten — nicht bloß der Lö-sungen — mit der Zeit Rechenschaft zu geben. Wie manch merk-würdige und nicht so leicht zu ergründende Thatsache da nochals Sphinx ihres Odipus harrt, ist den Eingeweihten bekanntgenug, während wir hier nur oberflächlich au diese Probleme zurühren ein Recht haben. Erwähnung sei, um nur einen Punktherauszugreifen, eines Fnndes gethan, den O. Wallach (geb. 1847)in den letzten Jahren gemacht hat, und der sich auf die im vorigenAbschnitte zur Besprechung gelangten Ketone bezieht. Diese denAldehyden verwandten Kohlenstoffverbindnngen zeichnen sich nämlichdurch ein starkes Absorptionsvermögen für ultravioletteStrahlen ans.