Spannungserscheinungeli; Photochemie.
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Auch neben der eigentlichen Jonentheorie, die nur neuerdingsdie Aufmerksamkeit besonders ans sich konzentrierte, umfaßt dieElektrochemie eine Reihe anderweiter Abschnitte, die in einerumfassenden Darstellung sorgfältig berücksichtigt werdeu müssen.Zum Teile haben die einschlägigen Arbeiten bahnbrechend undvorbereitend für den nachmals eingetretenen Umschwung gewirkt.Dahin gehört die 1869 von F. Kohlrausch und W. A. Nippoldt(geb. 1843) ins Werk gesetzte kritische Analyse der zur Ver-meidung oder doch Paralysierung der elektrolytischenPolarisation dienenden Methoden, woran sich dann um dieMitte der siebziger Jahre eine wertvolle Verbesserung derselbenreihte. Auch Hittorf kam 1878 auf seine frühere, viel befehdeteThese zurück, daß zwischen Elektrolyten und Salzen kein Unter-schied anzuerkennen sei. Ferner stehen die elektrochemischenSpannungserscheinungen, welche R. Kohlrausch durch einäußerst empfindliches Instrument messend zu verfolgen lehrte, nochjetzt auf der Tagesordnung. Es unterliegt sonach keinem Zweifel,daß die Elektrochemie, wenn auch zunächst im Rahmen der Physika-lischen Chemie verbleibend, auch im 20. Jahrhundert mit großen undvielseitigen Aufgaben befaßt sein wird, zu deren erfolgreicher Be-handlung die 1895 ins Leben gerufene elektrochemische Gesell-schaft kräftig mitwirken wird. An den Hochschulen geht man jetztschon daran, eigene elektrochemische Laboratorien neben den chemischenund elektrotechnischen einzurichten. Daß das Fundamentalwerk vonOstwald für eindringendere Studien auf diesem Felde den bestenBerater abgiebt, dürfte feststehen; mehr für Anfänger ist ein Lehr-buch von W. Loeb („Grnndzüge der Elektrochemie", Leipzig 1897)berechnet. Ein Grenzgebiet des Grenzgebietes behandelt ausführlichH. Koeppe („Physikalische Chemie in der Medizin", Wien 1900).Die Dissoziationstheorie und die für die Hämodynamik wichtigeLehre vom osmotischen Drucke dürfeu, wie W. Pauli („Überphysikalisch-chemische Methoden und Probleme'in der Medizin",Wicn1900) darthat, auch vom Physiologen sürder nicht mehr ganzunbeachtet gelassen werden.
Von der Elektrochemie vollzieht sich leicht der Übergang zurPhotochemie, der Lehre von den chemischen Wirkungen des Lichtes.