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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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742 XIX. Die Emanzipation der physikalischen Chemie.

Daß solche existieren, ist für uns nichts Neues; wurde doch aus-drücklich hervorgehoben, daß am infraroten Ende des Spektrumsdie thermische, am ultravioletten Ende hingegen die chemischeAktion der Strahlen ein Maximum erreicht. Auch die Photo-graphie hat uns iu dieser Hinsicht viele Daten an die Handgegeben; wir verweisen z. B. auf das deu modernen Standpunktvertretende Werk von A. Hertzka (Photographische Chemie undChemikalienkunde", Berlin 1896). Als unentbehrliche Grundlagebezeichnet die neuere Wissenschaft, wie sie aus den Werken vonOstwald und Nernst zu uns spricht, die von Bnnsen undRoscoe (Abschnitt VIII) inaugurierte Aktinometrie, die auchI. W. Draper (1811 1882) unter dem Namen?Iroto-eiieiruZtr?" (1874) gepflegt hat. H. W. Vogel (geb. 18Z4), dererste akademische Lehrer der Photochemie zuerst am BerlinerGewerbeinstitute, sodann an der dortigen technischen Hochschuleist seit 1862 ununterbrochen beschäftigt, diesen Teil der chemischenPhysik auf seine eigenen Füße zu stellen, wie er denn auch 1868ein neues Photometer mit der speziellen Bestimmung, chemischeLichtstärken zu messen, angegeben hat. Ihm war es vorbehalten,zu zeigen, daß das Bunsen-Roscoesche Theorem, die chemischeIntensität des Sonnenlichtes nehme mit wachsender Hoheder Sonne zu, doch ziemlich weit von der Allgemeingiltigkeitentfernt ist, indem bei dieser Formulierung des Sachverhaltes aufdie mancherlei trübenden Einflüsse, wie z. B. aus das Dazwischen-treten eines Wolkenschleiers, nicht genügend Bedacht genommen ist.Farbenspiel und Chemismus haben, wie es scheint, gar nichts miteinander gemein, denn die prachtvolle prismatische Dämmerungtropischer Regionen sand H. Krone (geb. 1827) chemisch neutral.An und für sich ist aber, den Angaben I. M. Eders (geb. 1855)znfolge, Licht jedweden Spektrumsteiles zur Ausübung einer ge-wissen chemischen Wirkung befähigt, und zwar ist, wenigstensmetallischen Verbindungen gegenüber, die Aktion der minder brech-baren Strahlen wesentlich eine oxydierende, die der stärker brech-baren Strahlen wesentlich eine reduzierende. Was die eigent-liche Messung betrifft, so sind drei Methoden mit einander inKonkurrenz getreten, von denen wohl die elektrochemische, welche