Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
743
Einzelbild herunterladen
 

Phototrvpie; Aktinitnt.

743

sich der durch Belichtung in chlorierten oder jodierten Silber-elektroden ausgelösten elektromotorischen Krast bedient, die zuver-lässigste sein möchte, wie DewarsLxpsi-iments in Msotro-xllotomötr^" (1878) bekunden. Die chemische Veränderung desbestrahlten Stoffes ist anfänglich keine erhebliche, indem nachBunsen und Roscoe die photochemische Induktion zu ihrerEntfaltung längere Zeit benötigt; nach E. Pringsheim (1887) Wohlaus dem Grunde, weil sich erst eine Zwischenverbindung bildenmuß. Die Daguerrotypie hat bereits die Latenz der Licht-thätigkeit in den Silbersalzen als eine der Untersuchungwürdige Erscheinung kennen gelehrt. Eine generelle Theorie derchemischen Lichtwirkungen steht noch aus, obschon es an Einzel-untersuch nngen sür eine solche nicht fehlt. Dieselben dürfen sichauch der Bezugnahme auf die Phototropie nicht entziehen; diesist (1899) W. Marckwalds Bezeichnung für die Thatsache, daßzum öfteren eine Zustandsänderung infolge von Bestrahlungbeobachtet worden ist. Auf den elastisch-flüssigen Aggregatznstandhat I. Tyndall 1869 die photochemische Methodik ausgedehnt,indem er im Versuche zeigte, daß sich Gase und Dämpfe gegen diezersetzende Tendenz des Lichtes keineswegs gleich Verhalten, sonderndaß dabei eine gewisse Selektion zur Geltung kommt. Beiseinem Bestreben allerdings, die von ihm erzeugten aktinischenWolken den Kometen gleichzustellen, mnßte sich der berühmteenglische Experimentator die derbe Zurückweisung F. Zoellners(1872) gefallen lassen. Das neueste Werk über Photochemie rührtvon W. Zenker (1900) her.

Jeder chemische Prozeß ist, da für die Molekularphysik nach-gewiesenermaßen ein Gleiches gilt, durch Druck und Temperaturbedingt, und andererseits ist die fragliche Umsetzung in: Bereicheder Atome von Wärmeerscheinungen und von der Leistung einergewissen äußeren Arbeit untrennbar. Demzufolge öffnet sich derSpezialdisziplin, welche man Thermochemie nennt, ein weitesGebiet. Sowie zwei Stoffe zn einander in chemische Berührungtreten, verändert sich die bis dahin vorhandene Energie desSystemes; es tritt eine Wärmetönung ein. Schon vor demBekanntwerden des Energieprinzipes hatte (Abschnitt IX) Heß,