744 XIX. Die Emanzipation der physikalischen Chemie.
ermittelt, daß nach Ablauf einer beliebig langen Reihe chemischerUmlagerungen, falls diese nur wieder — im Kreisprozesse — aufden Anfangszustand zurückführen, die Wärmetönung, die ja auund für sich positiv oder negativ sein kann, den Wert Null an-nehmen muß. Dieses Heßsche Gesetz der konstanten Wärme-suiumeu steht am Eingange der geistigen Bewegung, welche zurBegründung einer selbständigen Wärmechemie geführt hat. Dennwenn es aus irgend einem Grunde Schwierigkeiten hat, die wechsel-seitige Beeinflussung zweier Stoffe a uud d direkt mittelst desKalorimeters zu Prüfen, so kann man sich nach Heß dadurchhelfen, daß man Zwischenkvrper ir>, n, x . . . t u. f. w. einführt unddie Kombinatioueu ara — mn — np...td der Messung unterstellt;der Schlnßeffekt wird dann derselbe sein, als wenn man a, und ddirekt zusammengebracht hätte. Damit ist für die Kalorimetrie,deren Anfänge sich auf Laplace und Lavoisier zurückführenlassen, und die später Favre, Silbermann, Bunsen, Kopp,I. Ch. Marignac vervollkommneten, eine feste Unterlage geschaffen.Neuerdings wurde die chemische Seite dieser Spezialdisziplin aus-gebaut von zwei hervorragenden Chemikern, auf die wir schoufrüher, iu anderer Gedankenverbindung, Bezug zu nehmen hatten,nämlich von Berthelot und Thomsen; systematische Einkleidunghaben der Gesamtheit der hier eiuzubeziehenden Lehren verliehenA. N. F. Naumann („Grundriß der Thermochemie", Braunschweig 1869; „Lehr- und Handbuch der Thermochemie", ebenda 1881)und H. Iahn („Thermochemie", Wien 1892). Eine erste Aufgabebesteht dariu, Lösungs- und Bildungswärmen zu ermitteln,denn es ist klar, daß dann, wenn eine Anzahl von Stoffen (Ele-menten) zu einer chemischen Verbindung zusammentritt, ein Auf-wand von Energie statthaben muß, und nach außen macht sichdieser als Wärme bemerklich. Für die genaue Fixierung der Ver-brennungswärmen ist seit sechs Jahrzehnten Vieles geschehen,uud soweit es sich um Reaktionen der anorganischen Chemie handelt,darf von sehr sicherer Kenntnis dieses wichtigen Faktors gesprochenwerden, aber den Kohlenstoffverbindungen gegenüber ist man nachNernst noch nicht ganz so weit gekommen, obwohl, dank zumalBerthelot, auch da die Methodik beträchtlichen Fortgang ge-