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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Entwicklung der Thermochemie.

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nominen hat. Zu einem ganz neuen Zyklus vou Untersuchungenhat die Jonentheorie Anlaß gegeben, indem man es versuchen mußteund auch schon großenteils mit Glück versucht hat, das bei derelektrolytischen Dissoziation einer Säure frei werdendeWürmeauautum zu bestimmen. Auch hier siud Thomsenund Nernst als die beiden Forscher zu nennen, welche eine nochzu weiteren Erfolgen führende Bahn beschritten haben.

Die Thermodynamik hat, wie unsere bisherigen Darlegungenergaben, der Thermochemie die wesentlichsten Dienste geleistet.Doch trat bislang wesentlich nur der erste Hauptsatz, dessenGenese Abschnitt XI aufklärte, in seine Rechte, während auch derzweite, dessen scharfe Formulierung damals auf Clausius zurück-geführt ward, ein umfassendes Gebiet der Anwendung für sich iuAnspruch nimmt. A. F.Horstmann (geb. 1842), Boltzmann , vander Waals, vau t'Hoff, Planck, Riecke u.a.haben die Potential-theorie, deren suverüne Bedeutung für alle Naturvorgünge uns schondurch verschiedene Abschnitte dieses Buches vor Augen geführt wordenist, auf derartige Fragen augewandt, und als besonders einflußreichsind die Arbeiten von H.L.Le Chatelier (geb. 1850) und J.W.Gibbs (Abschnitt XV) zu nennen. Letzterer betrat eine neue Bahn mit seinerAbhandlungOn tlis L^uilikrium ok HsteroAsneoris Llilzstanoes",welche in der zweiten Hälste der siebziger Jahre vou der Connecticut -Akademie publiziert wurde. Wie kommt es, so lautete die Frage,welche er sich selbst zur Beantwortung vorlegte, daß ein chemischesSystem der Homogenität entbehren und doch sich imGleichgewichte besinden kann? Muß nicht in solchem Falleeine stetige Diffusionsbeweguug so lange eingeleitet werden, bis dieHeterogeneität vollständig beseitigt ist? Nur dann, wenn verschiedeneKomplexe miteinander verbunden sind, deren jeder, für sich alleinbetrachtet, aus homogener Materie zusammengesetzt ist, einerlei,wie sein besonderer Aggregatzustand beschaffen sei« möge, kanneine solche Unordnung als möglich erscheinen. Mit den Hilfs-mitteln der Variationsrechnung, die hier wohl erstmalig indie Chemie hineingetragen ward, stellt Gibbs die Gleichgewichts-bedingungen für ein solches heterogenes System fest. Für jedeshomogene Teilsystem gebraucht er die Bezeichnung Phase.Solche