Absolutgröhe der Moleküle.
749
das Volumen des Moleküls zu berechnen. Ganz ebensobestimmt sich nach Landolt, I. W. Brühl (geb. 1850) u. a. dieMolekularrefraktion einer Verbindung aus der Summe der Atom-refraktionen. Jenes Additionsgesetz also, welches erwähnter-maßen das Verhalten von Gemischen regelt, tritt uns mithin auchbei Verbindungen, wenigstens in vielen Fällen, entgegen, abernatürlich nicht schlechtweg und generell; denn träfe dieses zu, dannwären die Konstitutionen sehr vieler Körper so einfach, daß eineRücksichtnahme auf den geometrischen Charakter ihrer Struktur garnicht mehr von nvten wäre. Neben den additiven Eigenschaftenmuß es deshalb, wie Ostwald hervorhebt, auch konstitutive geben,und eben derselbe Forscher unterscheidet auch noch eine dritte Gruppevon Jndividnalitütsäuszerungen, die kolligativen, für die lediglichdas Gesamtgewicht des Moleküls maßgebend sein soll. Daß auchdie Frage nach der absoluten Größe der Moleküle, die jaschon durch die in Abschnitt XV berührten Arbeiten von Loschmidtin Fluß gebracht worden war, hier in den Gesichtskreis der Physi-kalischen Chemie treten mußte, versteht sich wohl von selbst. DerNiederländer van der Waals war bei Aufstellung seiner unsbekannten Zustandsgleichung einem direkteren Verfahren, als esdie Loschmidtsche Schätzung sein konnte und wollte, auf die Spurgekommen, indem er gefunden hatte, daß eine gewisse Größe, welchein jene Gleichung eingeht, dem vierfachen Volumen des für denbetreffenden Grundstoff charakteristischen Moleküls gleich ist. Sokonnten, kugelförmige Gestalt vorausgesetzt, sowohl der lineareDurchmesser als auch die Dichte der Moleküle mit einer schon weitgrößeren Genauigkeit in Zahlen ausgedrückt werden; Nernst berechnet z. B. den Durchmesser des Moleküls der Kohlensäure zu0,000 000 29 Millimeter. Durch Heranziehung des Gesetzes vonAvogadro sind dann auch die Schlüsse auf Gewicht und Anzahlder Moleküle ermöglicht.
Daß man, mit solch gefestigtem Boden unter den Füßen,mit mehr Aussicht auf Erfolg, an die Behandlung der chemischenVerwandtschaftslehre heranzutreten in der Lage ist, wird unbedingtzuzugeben seiu. Zunächst handelt es sich also um das chemischeGleichgewicht eines Systemes, und dieses ist dann erreicht, wenn die