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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Flüssige Krystalle.

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Erkennbarkeit noch namhaft gesteigert werden. Auch eine Gestalt-veründerung des Tropfens im Magnetfelde kam zur Beobachtung,^ehmann vermeint mithin nm die Notwendigkeit, daß aus derDefinition des WortesKrystall" das Eigenschaftswort fest aus-geschaltet werden müsse, uicht herumkommen zu können, und daihm zufolge schon die Tropfeuform einen sicheren Anhaltspunktdafür gewährt, in welches Krystallsystem der starr gewordene Körpersich einordnen lassen werde, so erscheint dem Karlsruher Physikerdie nachstehend mitgeteilte Begriffsbestimmung dein wirklichenSachverhalte am besten zu entsprechen: Ein Krystall ist einanisotroper, mit molekularer Nichtkraft begabter Körper,dessen Aggregatzustand fest oder flüssig sein kann. AlsKriterium des zweitgenannten Zustandes soll lediglich das Fehlenjeglicher Elastizität zu gelten haben. Vielleicht gewährt fürdie Erforschung dieser Moleknlarverhältnisse eine gewichtige Unter-stützung der von dem Heidelberger Zoologen O. Bütschli (geb.1848) geführte Nachweis (1898), daß die Mikrostrukturenanorganischer und organischer Materien wesentlich den-selben Normen unterliegen. Die mikroskopischen StudienO. Lehmanns und Bütschlis über Quellbarkeit, denen nachder physikalischen Seite hin Quincke, nach der physiologischenSeite hin Schmulewitsch Vorschub leisteten, haben uns mit demeigentümlich wabig-zelligen Bau solcher Stoffe bekannt ge-macht, der im erstarrten Schwefel gleichfalls in die Erscheinungtrat (1900). Es leuchtet ein, daß diese ins neue Jahrhnuderthiuübergehenden, gesicherten Resultate mikroskopischer Forschungdazu beitragen werden, die schon tiesgewnrzelte Überzeuguug zuverstärken, daß es der zielbewußten Arbeit folgeuder Generationengelingen werde, alle die Schranken niederzureißen, welche voneinem minder fortgeschrittenen Zeitalter für die Aus-einanderhaltung äußerlich abweichender, aber im innerstenWesen übereinstimmender materieller Zustäude aufge-richtet wordeu waren.

Unsere Übersicht über die Ausbildung petrographischer Methodenwar im zehnten Abschnitte bis zu jenem Zeitpunkte fortgeführtworden, in welchem die von Sorby empfohlene Dünnschliff-