Theorien der Gesteinbildung,
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verflüssigte Kohlensäure, und es bleibt uur übrig, mit Zirkeleinzuräumen, das; während des Ausscheidens der Krystalle aus demZchmelzflnsse ein ganz gewaltiger Druck geherrscht haben muß, wieer nnr in gauz bedeutenden Tiefen unter dem Meere, ganz gewißaber nicht in der Wafserbedeckung der Erde, denkbar erscheint. Dievon G. I. S. Jenzsch (1830—1877) aufgestellte Behauptung, daßauch organische Einschlüsse in Plutonischen Erstarrungsprodukteuvorhanden sein könnten („Mikroskopische Flora und Fauna krystal-linischer Massengesteine", Leipzig 1869), konnte gegenüber denThatsachen, welche L. G. Bornemann noch im gleicheil Jahrebekannt gab, nicht aufrecht erhalten werden, obgleich kein Geringererals Ehrenberg derselben Meinung zuneigte. Hingegen bewahr-heiteten sich vollkommen die neueu Aufschlüsse von Zirkel undVogelsang, und ferner führten die mikroskopischen Beobachtungenvon Tschermak (1869) über die von G. K. v. Fritsch (1888) ihrerdunklen Färbung halber so genannte Mineralgruppe der Ere-binnite (Augit, Hornblende, schwarzer Glimmer u. s. w.) zu einemübereinstimmenden Endergebnis. Die komplizierte Natur der Sili-kate, welche bei der Zusammensetzung unserer Erdrinde so schwerins Gewicht fallen, klärten H. Fischer (1870) und K. Haushofer (1839—1895) (1875) mikroskopisch und chemisch auf. Gegen die Mitteder siebziger Jahre war die Lehre von den gesteinbildendenMineralien, an welche sich im geognostischen Systeme unmittelbardie Lehre von den felsbildenden Gesteinen anreiht, in dasZtadium einer autonomen natnrwifseuschaftlicheu Disziplin ein-getreten, und als solche hat sie sich während des nächstfolgendenVierteljahrhunderts eines geradezu rapiden Aufschwunges zu erfreuengehabt.
Hierzu verhalf in erster Linie das Erscheinen zweier bahn-brechender Werke des zuerst in Straßbnrg und seit 1878 in Heidel-berg wirkenden Petrographen K. H. F. Rosen busch (geb. 1836);durch diese Werke („Mikroskopische Physiographie der petrographischwichtigsten Mineralien", Stuttgart 1873, 2. Auflage 1892; „Mi-kroskopische Physiographie der massigen Gesteine", ebenda 1877,2. Auflage 1892) schuf sich ihr Verfasser eine so geachtete Stellung,daß man mit v. Zittel sagen kann, derselbe habe sich seitdem mit