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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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778
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778 XX. Mineralogie und Petrvgraphie in neuerer und neuester Zeit.

Zirkel in die Führerschaft auf dem Gebiete der Gesteinskundegeteilt. I. F. K. Klein in Berlin und A. v. Lasaulx sind unterdenjenigen deutschen Forschern hervorragend zu nennen, die sich derAusbildung der Rosenbuschschen Methodik, besonders in derVervollkommnung der optischen Klassifikation, mit großem Erfolgewidmeten, uud nunmehr wurde es möglich zu zeigen, daß jeneMineralien, die seit Werner als akzessorisch bekannt warenund angeblich nur ganz zufällig und gelegentlich in gewissen Ge-steinen vorkommen, thatsächlich recht häufig anftreten, daß diemeisten Gesteinsarten in Wirklichkeit äußerst verwickelteMineralznsammensetzungen repräsentieren. Hier griff u. a.mit Geschick und Glück M. I. Schuster (18561887) ein, der1830 für die als Plagioklas bekannte Varietät der Feldspäte eineJdentitätsbestimmung auf dem Wege optischer Orientierung ermög-lichte. Ausgehend von den Erfahrungen, welche er schon früheran den Kontaktzonen vou Schiefer und Granit in den Süd-vogesen gemacht hatte, konnte Rosenbusch auch die Einflüssefeurigeu Flusses auf Sedimeutärbildungen klarstellen, dereu Be-deutung dann die neuere Zeit v. Gümbel, I. A. Streng (133Vbis 1897), A. W. Stelzner (18401895), der den Granulitnäher ergründete, und mancher andere immer mehr erkannt hat.Die auf deu Feldspatgehalt sich gründende Einteilung allermassigen Gesteine in sieben Klassen, welche Rosenbusch in seinemersten Werke vorbereitete und in der ersten Auflage des zweit-genannten Werkes zur Durchführung brachte, wurde übrigem?von ihm selbst dauernd nicht beibehalten, weil ihm die Verwertungrein äußerlicher, mineralogischer Kennzeichen der Anfor-derung nicht zu genügen schien, daß das System zugleich auch deingenetischen Typus der Gesteine Rechnung tragen solle. Nurdadurch wurde zwischen der Geologie und Petrographie ein festzusammenhaltendes Band geknüpft, nnd dem mit den nötigenKenntnissen ausgerüsteten Geologen bot sich die Möglichkeit, ausder ihm vorgelegten Probe schließen zu können, ob der betreffende,ursprünglich magmatische Fels als Tiefengestein, Ganggesteinoder an der Luft erstarrtes Ergußgestein im engerenSinne angesprochen werden müsse. Diese sich strenge an die