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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Die krystallinischen Schiefer.

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verbindet, wie es den Laven eignet. Für sie reichte auch in derHauptsache die ältere Betrachtungsweise aus, wie sie in dem unsschon bekannten bahnbrechenden Werke von Bischof, ferner in denSchriften v. Cottas (Die Gesteinslehre", Freiberg 1855) undI. Roths (Die Gesteinsanalysen in tabellarischer Übersicht undmit kritischen Erläuterungen", Berlin 1861) angewandt wird. Nureinige hierher gehörige Probleme haben auch der modernen Petrv-graphie die reichste Anregung gegeben, und zwar sind es diejenigen,die sich auf die Entstehung der ältesten, der archäischen Aera an-hörigen krystallinischen Schiefer beziehen. Während dieWernersche Schule, auf Saussures Schultern stehend, an einechemische Absonderung der die Erdoberfläche bedeckenden Wasser-massen dachte, erklärten Hutton und seine Anhänger Gneis,Glimmerschiefer und Phyllit für echtes Sedimentgestein, beidessen Absetzung nur die damals noch weit höhere Erdwärme um-schmelzend mitgewirkt habe, und v. Beroldingen wollte, da ja dieZusammensetzung aus Quarz, Feldspat und Glimmer die nämlichesei, überhaupt von keinem tiefer gehenden Unterschiede zwischen Gneisund Granit wissen. Keilhau und Lyell hielten an der neptu-nistischen Erklärung dieser Schicht- und Schiefergesteine fest; freilichfeien dieselben so, wie sie sich nns jetzt darstellen, nicht direkt ausdem Wasser hervorgegangen, sondern sie hätten chemisch, kalorisch und vielleicht auch elektrisch allerlei Umwandlungen übersich ergehen lassen müssen, weshalb man sie auch am besten denmetamorphischen Gesteinen zuzähle. Nur in der Interpretationdes Wesens dieser Metamorphose, nicht jedoch in der Grundvor-stellung wichen von diesen Vorgäugeru, uud unter sich selbst, Dana,P. Th. Virlet d'Aoust (1800 ?), Scheerer, v. Cotta undEh. H. Hitchock (geb. 1836) ab, während Zirkels Jndividnal-prüfung (1866) für zwei verschiedene Gattungen von Gneis, ursprüng-lichen und umgeänderten, zu sprechen schien. Für die Gesamtheit derVorgänge, die zur Bildung des Gneises führten, hat W. v. Gümbel1888 das allgemein adoptierte Wort Diagenese eingeführt, undM. Neumayr skizziert den damit zu verbindenden Sinn so Präzis,daß wir es für geboten erachten, seine Sätze wörtlich wiederzugeben.Die diagenetische Theorie nimmt an, daß die krystallinischen