782 XX. Mineralogie und Petrographie in neuerer und neuester Zeit.
Schiefer wohl mechanisch als Sedimente abgelagert wurden, aberunmittelbar danach unter der Einwirkung von Verhältnissen, dienur dem Urmeere eigen waren, krystallinische Beschaffenheit an-nahmen. Hoher Atmosphnrendruck, hohe Temperatur und einerhöhtes Lösungsvermögen des Urmeeres sollen bewirkt haben, daßdie vom Festlande Angeführten mechanischen Niederschläge undvielleicht auch die vulkanischen Tuffe jener uralten Zeiten bald ineinen krystallinischen Zustand übergeführt wurden."
Hiermit sind wir einem ganzen Komplexe von Fragen gegen-übergestellt worden, die sämtlich aus der Hauptfrage entspringen:Was versteht man uuter Gesteiusmetamorphose überhaupt, undwelche Kräfte sind vorzugsweise dabei beteiligt, bereits gebildetemGesteinsmateriale eine ganz andere Natnr aufzuzwingen, als die-jenige ist, welche sie, vulgär zu reden, mit auf die Welt gebrachthaben? Nachdem schon Lasius, mit dem wir schon im zehnten Ab-schnitte nähere Bekanntschaft zu schließen hatten, auf jenen morpho-graphischen Unterschied hingewiesen hatte, welcher zwischen Schich-tung und Schieferung („olsavaAs") der Gesteine besteht, undnachdem in der ersten Hälfte des Jahrhunderts Sedgwick, Phillips,die beiden Rogers u. a. die Zerteilung der Bänke in dünne Plattennäher untersucht hatten, schickte man sich seit 1850, nnter SorbysVorgang, zur Nachbildung der Struktur im Versuche an,und bald drang die Ansicht durch, daß stets von einer Druck-schieferuug gesprochen werden dürse. Von hervorragenden Fach-männern hat neuerdings (1890) wohl nur noch L. A. I. Roth(1818—189 2) an einer wesentlich §luto Nischen, wenn auch freilichkeineswegs ohne jede Mitwirkung des Wassers sich vollziehendenGenese der Schiefer festgehalten. Seitdem durch Tyndall (1856)Daubree (1861) und F. Pfaff (1873) eine eigentliche experi-mentelle Geologie ins Leben gerufen war, ließ sich die That-sache, daß durch seitlichen Druck Schichtgestein in Schiefergesteinumgeformt werden kann, augenfällig demonstrieren, und dasgroße, von F. A. Gurlt (geb. 1829) trefflich verdeutschte WerkDaubrees („Ltuäss s^MMiHuss cls AsolvAis expöriiNöntals",Paris 1879) mußte alle vielleicht noch bestehenden Zweifel end-giltig beseitigen.