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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Petrvgraphijchc Spezialitäten.

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dieselben nachgeholt. Mail brachte den feinst verteilten Stoff inhohe, graduierte Glasröhren und maß optisch, nach Umfluß ver-schieden langer Zeiträume, den nnnmehr eingetretenen TrÜbungs-grad, wobei sich zeigte, daß es sechs Jahre und länger anstehenkann, bis dieser Grad für die oberen Schichten zu Null geworden,die Gesamtmenge also in einer sich langsam verfestigenden Schichtüber dem Boden des Gefäßes zusammengekommen ist. Nach Barnsist das mechanische Moment an Einfluß dem chemischen, wenn-gleich auch dieses nicht unterschätzt werden darf, entschieden über-legen. Bestimmend für den Prozeß sind Dimension,Gestalt und Dichte der schwebenden Partikeln, und darausist weiter zu schließen, daß in einnnddiesclbe dünne Schicht nurKorpuskeln von wesentlich gleicher Beschaffenheit Aufnahme gefuudeuhaben. Die Flockenbildung fand Bliß' hauptsächlich durch denKonzentrationsgrad der alkalinischen Losung bedingt.

Mit dieser Durchmusterung der allgemeinen petrographischenGesetzmäßigkeiten müssen wir es bewenden lassen; denn so wenigwir im ersten Teile dieses Abschnittes den Fortschritten derbeschreibenden Mineralogie nachzugehen vermochten, ebensowenigkann die wahrhaft bestrickende Fülle neuer Gesteinsvarietäten, mitdenen uns jeder neue Jahrgang der Fachzeitschriften bekannt machenwill, den Gegenstand der Besprechung an solchem Orte bilden. Daßdie Mehrzahl der petrographischeu Forscher deutschen Ursprungsist, hebt v. Zittels Geschichtswerk ausdrücklich hervor. Nur einpaar recht charakteristische Einzelheiten seien kurz gestreift. Einevollständige Litteratur für sich hat das Stndinm der sogenanntenZeolithe hervorgerufen, wasserhaltiger Silikate, in die neben Thon-erde zumeist Kalk oder Natron eingegangen ist, und von denen sichmindestens ein Dutzend Spezialformen darunter z. B. der imPhonolith hünfige Natrolith unterscheiden lassen. Oder essei an den in mineralogisch-geologischen Kreisen wohlbekanntenTriasvulkan des südtirolischen Örtchens Predazzo erinnert, indessen nächster Nähe man so ziemlich alle in der Tiefe oder ander Luft erstarrten Magmabildnngen zusammenfindet. Hier hatL. v. Buch zuerst die Kennzeichen des Quarz- und Augitpor-phyrs an der Quelle studiert; hier sammelte gegen Ende der

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