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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
786
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736 XX- Mineralogie und Petrographie in neuerer und neuester Zeit.

fünfziger Jahre F. v. Richthofen die Materialien zu der seinenwissenschaftlichen Rnf sofort fest begründenden Erstlingsschrift(Geognoftische Beschreibung von Predazzo, St. Kassian und derSeißer-Alpe in Südtirol", Gotha 1860), durch welche den bereitsbekannten tertiären Vulkangesteinen Basalt, Andesit, Trachyt

noch als ältere Lava der Rhyolith zur Seite gestellt ward:hier haben in neuester Zeit der Österreicher v. Mojsisovics uudder Norweger Bro egg er ihre umfassenden Untersuchungen angestellt,welche zur Neuaufstellung einer größeren Reihe von Gesteinsspeziesgeführt haben. Durch die verfeinerte petrographische Forschungist mit so manchem fast dogmatische Kraft behauptenden Satzegebrochen worden. So galt noch vor kurzem der Granit als einnnter allen Umständen archäisches Gestein, allein von Broeggerund O. v. Nordenskiold, der insbesondere am norwegischen BergeSulitelma auf unerwartete Lagerungsverhältnisse stieß, mußten wiruns in den neunziger Jahren belehren lassen, daß Granit in derThat jünger als die älteren paläozoischen Schichtenlagen sein, viel-leicht sogar ins Mesozoikum hineinreichen kann. Auch die jung-vulkanischen Gesteinsarten haben mehrfach eine nene und korrektereAltersbestimmung erfahren, nnd das Studium der zahlreich nach-gewiesenen Zwischen- und Übergangsformen eröffnete eine weiteund neue Perspektive; es sei nur an den Monzonit von Predazzo

die Bezeichnung ist einem dortigen Berge entnommenerinnert, in dessen Geschichte man alle die Entwicklungsphasen dermodernen Lithologie sich abspiegeln sehen wollte. Daß dieseDisziplin auch mannigfacher technischer Anwendungen fähig ist,läßt sich unschwer darthun. Die Gewinnnng des Aluminiums,dieses technisch so verwendbaren Metalles, ist hiefür ein Beweis-mittel. Man stellt es aus dem sehr merkwürdigen isländischen Kryolith (Eisstein") dar, den 1822 der viel nmhergeworfeneMineraloge K. Giesecke (Abschnitt X) zuerst beschrieb; man ver-wendet auch dazu den oolithisch-erdigen Bauxit, dessen chemischeEigenschaften u. a. von dein Alpinisten K. Th. Petersen (Ab-schnitt XVI), auch in der Geschichte der Benzole viel genannt,erforscht worden sind. Belege solcher Art ließen sich in beliebigerMenge häufen.