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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Die Theorie derKerne".

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Einige Worte seien auch nvch der viel umstrittenen Fragegewidmet, inwieweit bei der Entstehung des Granits undder ihm äquivalenten Gesteinsarten das Wasser mit-gewirkt habe. Die Jungneptunisten, wie I. N. Fuchs, Schas-häutl u. s. w. nahmen, wenn sie auch die pyrogene Bildungnicht gänzlich in Abrede stellten, doch wenigstens das Vorhandenseineines stark mit Wasser durchtränkten Magmas an, nnd zu gewissenKonzessionen an diese Ansicht war auch Scheerer bereit, wogegenI. B. X. Fournet (18011869), der die Erstarrung flüssigerSilikate als von besonderen Regeln beherrscht erweisen wollte,Bunsen und I. M. E. Durocher (1317 1860) die seitL. v. Buch zu Ehren gekommene Auffassung unverbrüchlich zubewahren bestrebt waren. Daß G. Bischof nebst einigen An-hängern den antiplutonistischen Staudpunkt sehr scharf hervorkehrte,bedarf kaum der Erwähuuug, und O. Volger suchte 18S4sogar eine wechselseitige Transformierbarkeit von Kalkstein undGranit als möglich hinzustellen. Für die Einschlagung einesMittelweges sprachen dagegen nahe gleich zeitig (1858) Dau-brees feinsinnige Versuche und Sorbys Dünnschliffbeobach-tungen. Nvch ist nicht volle Sicherheit erzielt, so wenig wie überdas verwandte Problem, ob ein einheitliches Magma odereine Vielzahl abweichend zusammengesetzter Magmeuanzunehmen sei. Wir kommen hierauf bei der Lehre vomVulkanismus zurück und erwähnen nur, daß durch einen 1890publizierten Aufsatz von Rosenbusch die Angelegenheit in einneues Stadium getreten ist, insofern die Eruptivgesteine alsSpaltungsprodukte des an und für sich allerorts homogenen Mag-mas definiert wurden. Der Trennungsvorgang ist bei einzelnenGesteinsarten, den Kernen, abgeschlossen, bei anderen dagegen nochim Gange. I. Roth und I. Jddings konnten sich mit derKerntheorie" nicht befreunden, und der Letztgenannte hält dafür,daß, je nach Druck und Temperatur, die nämliche magmatischeMasse nach Umständen körnige und porphyrische Struktur bedingenkann, wie dies auch aus A. Lagorios (1888) umfassender Analysedes Ausscheidungsvorganges und der vulkanischen Gläser hervor-zugehen scheint.

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