Ginundzrvanzigstes Kapitel.
Der Eintritt der wissenschaftlichen Erd-Kunde in die Naturwissenschaften.
Die Wissenschaft von der Erde hat eigentümliche Schicksalegehabt. Im Altertum hatten ihr Strabo und Ptolemaeus zuAnsehen und selbständiger Geltung verholsen, und sogar das Mittel-alter ist aus der Geschichte der Geographie keineswegs gänzlich zustreichen. Die große Zeit der Entdeckungen gab begreiflicherweisedem geographischen Interesse einen erneuten und kräftigen Anstoß,aber trotzdem die Litteratur an Umfang und teilweise anch anGehalt bedeutende Dimensionen annahm, wollte es doch zu keinerrechten systematischen Gestaltung eines Wissenszweiges kommen,der allerdings zu den verschiedensten anderen Disziplinen in engstemVerhältnis stand und deren Geschicke zu teilen verurteilt schien.Erst das 17. Jahrhundert sah eine Änderung sich vorbereiten,allein der Flug, den die Erdkunde unter der Führung zweierDeutschen nahm, erlahmte bald wieder, und die trefflichen Leistungeneines Philipp Clüver und Bernhard Varenius blieben isoliert.Ersterer bearbeitete mit großem Geschicke, gestützt auf ein umfassendesWissen und auf eine wahrlich nicht verächtliche Autopsie, dieLänderkunde unter dem geschichtlich-antiquarischen Gesichtspunkte;Varenius veröffentlichte 1650 seine „KeoZraxlli^ Asnsra1i3",worin er den Umfang und das Wesen einer allgemeinenphysischen Erdkunde mit einer genialen Sicherheit zeichnete unddieselbe, die vorher nnr aus einer wenig geordneten Sammlung