794 XXI. Der Eintritt der wissenschaftlichen Erdkunde in die Naturwissenschaften,
und nach Italien seinen geographischen Blick noch weiter ausbildenund sich so mit stärkerer Ausrüstung derjenigen Seite der Erd-kunde zuwenden, die recht eigentlich als die ihm kongeniale be-zeichnet werden kann. Das große, zweibändige Werk, welches demnicht verwöhnten Zeitalter zeigte, was aus einer bisher geringgeachteten und mesentlich nur als Schulfach anerkannten Wissen-schaft zu machen sei, kam 1817 in Berlin heraus („Die Erdkundeim Verhältnis zur Natur und zur Geschichte des Menschen oderallgemeine vergleichende Geographie als sichere Grundlage desStudiums und Unterrichtes in physikalischen und historischen Wissen-schaften"). Wir, die wir des uns eben durch Ritter vermitteltenBesitzes froh geworden sind, können uns kaum von dem gewaltigenEindrucke ein Bild machen, den die neue Leistung in allen Ge-lehrtenkreisen hervorrief, und namentlich war A. v. Humboldt desLobes voll, als er einen Jdeengang, der vielfach mit seinem eigenensich deckte, zugleich in schöner, anregender Sprache dargestellt fand.Das Werk erfreute sich, seiuer miserablen äußeren Ausstattungzuin Trotze, auch bald einer weiten Verbreitung, nnd diese machtein Bälde eine zweite Ausgabe notwendig. Leider entwarf für dieseder Autor einen allzu umfänglichen Plan, den er trotz siebenund-dreißigjähriger, angestrengtester Arbeit nicht mehr zu verwirklichenimstande war. Denn als den Achtzigjährigen der Tod abrief,waren erst neunzehn Bünde sertig gestellt, in denen Afrika —wie es damals nicht anders sein konnte — ziemlich kurz, Asien aber mit ungeheurer Ausführlichkeit abgehandelt ist. Noch keinGeograph, selbst nicht der mit Recht als Länderbeschreiber hochgeachtete K. Malte Brnn (1775—1826), der sich aus eiuem ge-borenen Dänen in einen vollkommenen Pariser umgewandelt hatte,war in so hohem Maße der Kunst mächtig gewesen, durch eineArt von Zeugenverhör der Reiseschriftsteller die Boden-koufiguration der entlegensten Länder aufzuklären, nnd in dieserVirtuosenhaften Behandlung des morphographischen Elementes istder hohe Wert dessen, was Ritter seiner Wissenschaft war, viel-leicht mit nvch höherem Rechte zu suchen, als in der Betonungder vergleichenden Geographie, ans welche dieser selbst dasHauptgewicht legte. Denn es ist ihm nicht gelungen, jene Be-