L. Peschel; G. Gerlcmd.
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mnstergiltiges Hauptwerk („Neue Probleme der vergleichenden Erd-kunde als Versuch einer Morphologie der Erdoberfläche", Leipzig 1868; vierte Auflage, posthum, 1883) hat ihm scharfen sachlichenWiderspruch eingetragen, weil, wie nicht zu leugnen, manche seinergenialen Konzeptionen den strengen Anforderungen nicht genügten,welche die deutschen Geologen, in der Schule L. v. Buchs heran-gebildet, zu stellen gewohnt waren. Peschel bezeichnete es alseine Hauptaufgabe des forschenden Geographen, aus der Kartedie Gesetze der Umbildung der Erdoberfläche heraus-zulesen, und damit ging er zu weit, denn die Karte, auch dieim großen Maßstabe ausgeführte, kaun unmöglich von allen denverwickelten Verhältnissen Rechenschaft geben, die hier berücksichtigtwerden müssen. Aber auf der anderen Seite gebührt ihm dochauch das Verdienst, die Geographen nachdrücklichst auf das Karten -studiuin hingewiesen zn haben, und selbst wenn die exakte Forschungnicht alle Einzelheiten bestätigt hat, die in Peschels reizvollenEssays über Küsten -, Thal- und Jnselbildung und verwandteFragen enthalten sind, so wird man gleichwohl demjenigen, dereigene Untersuchungen über physische Erdkunde anstellen will, dieLektüre der „Neuen Probleme" auch noch in zukünftigen Zeitenanraten dürfen.
Wenn wir vorhin sagten, es sei die Eigenschaft der Geographie,eine Brücke zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft znschlagen, so gut wie allseitig anerkannt worden, so haben wir jetztallerdings eine Zusatzbemerkung dahin zu machen, daß es auch einegegenteilige Auffassung giebt, die zwar nicht durch zahlreiche, wohlaber durch sehr beachtenswerte Ausnahmen repräsentiert ist. Siekonzentriert sich in G.K.Gerland (geb.1833), der zwar selbst sich alsAnthropologe und Ethnologe die wissenschaftlichen Sporen verdienthat, aber gleichwohl den Menschen nicht als Objekt speziell geo-graphischer Untersuchung gelten lassen will. Ihm zufolge (1837)zerfällt die Erdkunde, von ihrer eigenen Geschichte abgesehen, indie vier großen Bestandteile der mathematischen, Physikalischen,biologischen und topischen Geographie. Der an dritter Stellegenannte Zweig hat es nur mit den die räumliche Verbreitungder Pflanzen und Tiere regelnden Gesetzen zu thun; die topische