ggo XXI. Der Eintritt der wissenschaftlichen Erdkunde in die Naturwissenschaften,
Bedachtsam, wie es seine Art ist, hielt sich Großbritannien anfänglich»och etwas zurück, trat aber dann um so entschiedener in die gleicheBahn eiu, und heute kann es mit Genugthuung ausgesprochenwerden, daß die Rezeption der Geographie unter die akademischenLehrgegenstände als eine vollendete Thatsache anzusehen ist.
Wie es die Umstände erheischten, konnte man bei der Aus-wahl der Lehrer nicht ängstlich nur auf solche bedacht sein, dieeine im engeren Sinne geographische Fachbildung genossen hatten,weil ja eben eine solche zunächst nur ganz ausnahmsweise zuerlangen gewesen war. Geologen traten in den Vordergrund, aberauch Historiker und Philologen, Physiker, Mathematiker und An-gehörige der beschreibenden Naturmissenschast stellten sich in dieReihe, und es muß als ein deutliches Kennzeichen für die innereAssimilierungskraft der Geographie angesprochen werden,daß die aus den verschiedensten wissenschaftlichen Heerlagern her-vorgegangenen Kollegen sich rasch als Einheit fühlen lernten unddies sowohl nach außen, als auch iu ihrer litterarischen Arbeitbethätigten. Und bald stellte sich sogar heraus, daß in letzterer dienaturwissenschaftliche Seite überwog, so daß sogar kleineGrenzstreitigkeiten mit Astronomie und Geologie nicht ausblieben,die vielleicht unter dem streng systematischen Gesichtspunkte ihrMißliches haben, dabei aber doch wieder von der immanentenExpansivkraft der jüngeren Schwester kein unvorteilhaftes Zeugnisablegen. Die innere Zusammengehörigkeit der Gesamtwisseuschaftvon der Erde mit dem großen Verbände der Naturwisseuschafteuüberhaupt wird nicht mehr ernstlich bestritten, und sür beide Teilekann dieser Annäherungsprozeß in letzter Instanz nur Vorteilebringen.
Darüber belehrt uns auch eiu Blick in die Fachlitteratur, diein neuester Zeit so große Ausdehnung erlangt hat, daß selbst derEingeweihte sich nur mühsam auf dem laufenden zn erhalten undvon den zahllosen Bereicherungen Akt zn nehmen vermag, welcheeinerseits der Länderkunde, anderseits der allgemeinen Erdkundezuströmen. Ungemein groß ist die Anzahl der einschlägigen perio-dischen Organe, indem zu den Journalen im engeren Sinne nochdie Veröffentlichungen der über den ganzen'Erdball ausgesäeten